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Das Universum ist eine Scheissgegend (Science Busters) / Oberhummer; Puntigam; Gruber

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Leider würde das für Reisen im Universum im besonderen Maße gelten: wohin man auch kommt – Luxusurlaub sieht anders aus, denn entweder ist es zu heiß, zu kalt oder auf vielfältige Weise zu ungemütlich. Sagen wir lieber: tödlich. Trotzdem und befördert durch zahlreiche Science-Fiction-Filme und so manchen Erfolg der Raumfahrt, richtet sich des neugierigen Menschen Blick ja immer wieder gerne zu den Sternen, verbunden mit der Frage, wie es eigentlich so wäre da draußen.

Die „Science Busters“ gehen in ihrem aktuellen Buch der Frage nach, welche Verhältnisse einen an verschiedenen Orten des Universums erwarten würden. Naheliegenderweise fangen sie in unserem kleinen, unbedeutenden Sonnensystem an, widmen sich ausführlich den Planeten vom Steinplanet Merkur bis zum Gasplaneten Neptun und ihren spezifischen Unwirtlichkeiten. Auch Asteroidengürtel, Kuipergürtel, Kometen und Sonne geraten dabei immer wieder ins Blickfeld, bis die wissenschaftliche Reise schließlich in die Weiten der Galaxie vordringt, wo noch nie ein Mensch …

Um es kurz zu machen: auch dort sieht es nicht viel besser aus. Was aber nicht heißt, dass es nicht interessant ist: wir erfahren eine Menge nicht nur über den Ursprung des Universums und seine mögliche Zukunft, sondern auch über Steppenwolfplaneten, die einsam durchs All ziehen, über die galaktische Vampire unter den Sternen oder Planeten mit potentiell lebensfreundlichen Bedingungen. Galaxien, Quasare, Pulsare tauchen in dieser gedanklichen wissenschaftlichen Reise ebenso auf wie Hypernovae, denen es eher auszuweichen gilt, oder Schwarze Löcher, die die unangenehme Eigenschaft haben, den Reisenden spagettidünn in die Länge zu ziehen.

Aber zum Glück konnte man ja unweit von Sagittarius B2 in ausgedehnten Staub- und Gaswolken organische Moleküle in Form von Ethylformiat nachweisen, die nach Erdbeeren respektive Arrak- oder Rumaroma duften dürften. In Verbindung mit dem ebenfalls vorhandenen Ethyalkohol, der die Menschheit für etwa 100 Milionen Jahre mit Schnaps versorgen könnte, scheint es dort eine besuchenswerte Cocktailbar zu geben, die zumindest einen galaktisch großen Strawberry Daiquiri zu bieten hat. Nichts wie hin also. Wenn einen bis dahin nicht die Todesblase erreicht – eines der Exitusmöglichkeiten des uns bekannten und fast instabilen Universums.

Gruber, Puntigam und der kurz nach Veröffentlichung des Buches gestorbene Oberhummer legen einen gehaltvollen und zugleich ungemein amüsanten Parforcerittritt durch das Universum und seine Merkwürdigkeiten vor, widmen sich anschaulich dem gegenwärtigen Stand der Forschung, diskutieren Theorien und die gegenwärtigen Erkenntnisgrenzen des Menschen und beleuchten auch die Möglichkeiten interplanetarer Raumfahrt. Das Ende unseres Sonnensystems haben sie dabei ebenso fest im Blick wie analoge mögliche Szenarien bezüglich der Milchstraße und des Universums und die seltsame Bevölkerung des interstellaren Raums mit zumindest mittelbar sichtbaren Dingen wie braunen Zwergen oder schwarzen Löchern und unsichtbaren Dingen wie Quarks, dunkler Materie und dunkler Energie.

Deutlich wird letztlich auch, wie wenig potenziell lebensfähiger Raum im Weltall vorhanden ist. Würde man das gesamte Universum auf die Größe eine Kugel verkleinern, die genau zwischen Erde und Sonne passt, wäre die Zone, die lebensfreundlich wäre, gerade mal so groß wie ein Atom. Faszinierend bleibt, dass wir mittlerweile in der Lage sind, Planeten in fernen Sonnensystemen zu entdecken und mit gewisser Wahrscheinlichkeit Aussagen über die örtlichen Bedingungen treffen können.

Gewohnt respektlos gegenüber – sagen wir – traditionellen Welterklärungsmodellen – und der maßlosen Selbstüberschätzung der Menschheit haben die drei Science Buster ein wunderbares, schwarzhumoriges und äußerst gehaltvolles Buch geschrieben für alle, die neugierig sind auf die Welt da draußen ausserhalb unsrer dünnen Atmosphäre, die letztlich einen immens großen Einfluss auf unseren Alltag, unser Leben hat.

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16 Kommentare zu “Das Universum ist eine Scheissgegend (Science Busters) / Oberhummer; Puntigam; Gruber

    • … die dann auch noch zu bemerkenswerten Rezensionen führt wie hier. Das freut des Buchbloggers Herz, auf dass die guten Bücher viele Leserinnen & Leser finden!

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  1. Der Praktikant hat beim Efolg erfolgreich ein R unterschlagen und ein svhwarzes Loch hinterlassen … 😉
    Ansonsten jedoch eine schöne und heiter-informative Rezension, lieber Jarg.

    Wenn ich dann noch meinen intergalaktischen Senf hinzufügen dürfte – ich habe nämlich das entsprechende HÖRBUCH besprochen: https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/01/06/das-universum-ist-eine-scheissgegend/

    Buchstäbliche Grüße
    Ulrike von SpecOpAuditüre

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    • Ich vermute ja, dass der Nachweis von Gravitationswellen das Text-Fehler-Kontinuum in der bekanntermaßen mehrfach gekrümmten Schreib-Zeit eindeutig negativ beeinflusst hat, was bei diesem Text deutlich zum Tragen kam. Kennt man ja.

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      • Der BUCHRAUM, unendliche Weiten Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Leseabenteuer des
        Schreibraumschiffs … das unterwegs ist, um fremde Buchstabengalaxien zu erforschen, neues Bücherleben zu entdecken und neue Schreibzivilisationen.
        Gravitationswellenleicht, dringt ihr gebündelter Geist in Wörtergalaxien vor, die nie ein Mensch zuvor erlesen hat… 😉

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      • 😀! Oder: “Der Fehlerraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2016. Dies sind die Abenteuer des Schreibschiffs Tippverschleiss, das mit seiner 400 Serifen starken Besatzung 5 Seiten unterwegs ist, um fremde Zeilen zu entdecken, neue Texträume und neue Ligaturen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Tippverschleiss in Fehlerwelten vor, die nie ein Schlussredakteur zuvor gesehen hat.“

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  2. Rah, der PRAKTIKANT war wieder abgelnekt siehe hier: Gröse eine Kugen / Erse und Sonne. Wobei die Erse, ich rätsele immer noch, muss wohl doch zu den Busters greifen und Wissen einführen. Deine Besprechung ist schon die zweite lockende. Beste Grüße (auch dem Praktikant) und merci dafür von der ollen Besserwisserin

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    • Mit halbletalem rechtem Arm in der ruckelnden U-Bahn zu schreiben war für das Betriebsfaktotum der entscheidende Entschuldigungsgrund. Jetzt ist der Verband ab, die Fehler sind korrigiert und das Faktotum ist in die Buchwelt verbannt. Es dankt für die Korrekturhinweise der gestresste Vorstandsvorsitzende von SpecJargNet (Special Jargsblog Network)

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  3. Das hatte ich schon ein paar Mal in der Hand und hab es dann doch immer wieder weggelegt, weil der böse SUB immer so vorwurfsvoll schaut. Aber jetzt lege ich es einfach auf den Wunschzettel und dann schauen wir mal, was passiert. Hast mich auf jeden Fall noch neugieriger gemacht auf das Buch, als ich ohnehin schon war 🙂 Ciao …

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