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Epitaph / Moriarty

Natürlich ist es mal wieder peinlich. Da existiert eine Band seit mehr als zwanzig Jahren und ich entdecke sie erst jetzt. Andererseits habe ich vor zwanzig Jahren auch deutlich andere Musik gehört, so dass es wohl verzeihlich sein mag, wenn ich Moriarty erst jetzt entdecke. Nach dieser Entdeckung hoffe ich aber nun in Anbetracht des aktuellen Albumtitels „Epitaph“ (Grabesinschrift) natürlich, dass der Albumtitel nicht wörtlich gemeint ist und man weitere Musik dieser multikulturellen franco-amerikanischen Band mit ihrem breiten instrumentalen und musikalischen Spektrum erwarten darf.

Begründen lässt sich diese Hoffnung allein schon aufgrund der Qualität dieses Albums: „Epitaph“ erwischt einen faktisch von der ersten Note an. Die Multiinstrumentalisten um Sängerin Rosemary Standley, die sich nach einer Romanfigur aus Jack Kerouacs „Unterwegs“ zum Bandnamen inspirieren liessen, fesseln einen bereits vom ersten Song an. Ein Album voller melancholisch-schwermütiger Songs, das zwischen Bluegrass, irischer Folkmusic, Blues und Country osszilliert und docvh schwer zufassen ist in seinem Reichtum an Klängen. Da finden klassische Musikinstrumente wie Kontrabass, E-Gitarre, Kazoo oder Mundharmonika ebenso Vewendung wie Schreibmaschinenklänge und ähnliche Alltagsgeräusche.

Zu den Songtexten der sparsam arrangierten Songs, die von Standley in einem eigentümlichen Stil gesungen werden, der an alte Radios oder Schelllackplattensound erinnert, mischen sich die Geräusche und Klänge als musikalischer Subtext. Die Ideen zu den Songs entstanden wohl auf den vielen Reisen um die Welt in den vergangegen Jahren, was auch deutlich den manchmal morbiden Inhalt bestimmt: so kan die Idee zu „Ginger Joe“ beim Radfahren im Regen in Japan und erzählt von einem, der hoch aufstieg und alles verlor. In gleicher Weise reiht sich so Songperle an Songperle – und man könnte sich gut eine Welt vorstellen, in der die Band mit Pferd und Wagen durch die Lande streift wie einst die Moritatensänger und ihre berührenden kleinen Geschichten musikalisch erzählt auf vollen Marktplätzen.

Zum Glück gehen sie aber regelmäßig weltweit auf Tour und kommen dabei auch in deutsche Lande. Hoffen wir, dass es nach diesem wunderbaren melancholischen Album bald ein weiteres gibt, das Moriarty auch in unsere Nähe führt. Bis dahin sei dieses wunderschön ausgestattete Album nicht nur Folk-Freunden, sondern allen, die musikalische Perlen zu schätzen wissen, wärmstens empfohlen.

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