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Der Marsianer / Ridley Scott. Darst.: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara […]

Das ist das Weltall, es kooperiert einfach nicht. An irgendeinem Punkt geht einfach alles schief. Und dann sagt man: das war’s. Das ist mein Ende.

Angesichts dieser Aussichten bleibt mir nur eine Option: ich muss mich mit Wissenschaft aus der Scheisse ziehen.

(Filmzitate)

Der Biologe und Ingenieur Mark Watney gehört zur sechsköpfigen Crew von Ares 3, der dritten, akribisch und aufwändig vorbereiteten bemannten Mission zum Mars. Am sechsten Tag nach der Landung wird die Crew durch einen außergewöhnlich schweren Sandsturm gezwungen, überstürzt das Basislager zu verlassen, die Mission abzubrechen und mit dem Marsrückkehrmodul und dem in der Umlaufbahn befindlichen Raumschiff Hermes den Rückflug zur Erde anzutreten. Auf dem Weg zum Rückkehrmodul wird Watney verletzt und von den anderen getrennt: im Glauben, er sei tot, fliegt die Crew zurück zur Erde.

Mark Watney überlebt jedoch. Ihm gelingt es, sich zurück in die Basis zu retten. Nüchtern zieht er Bilanz und stellt fest, dass er keinen Kontakt zur Erde bekommen kann und für maximal dreihundert Tage Lebensmittel hat – die nächste Mars-Mission Ares 4 aber erst in vier Jahren erwartet wird. Sein Überlebenswille ist so stark, dass Watney einen Weg findet, die ihm zur Verfügung stehende Lebensspanne mithilfe der vorhandenen Ressourcen auszudehnen und sich selbst durch seine handfeste, sarkastische und selbstironische Art trotz vieler Rückschläge immer wieder zu motivieren, mit seinen Anstrengungen fortzufahren. Er baut Kartoffeln an, findet einen Weg, zusätzliches Wasser herzustellen. Trotz mancher Rückschlage verliert er nicht den Mut und richtet sein ganzes Streben darauf, möglichst lange zu überleben und damit vielleicht doch noch eine Chance auf Rettung zu haben.

Als man auf der Erde entdeckt, dass Watney noch lebt, versucht man fieberhaft, ihm zu helfen. Doch das erweist sich aufgrund der großen Entfernungen, ungünstiger Konstellationen zwischen Mars und Erde und der technischen Herausforderungen als außergewöhnlich schwierig …

Die Vorlage für Ridley Scotts mehrfach ausgezeichneten Film ist der gleichnamige Roman von Andy Weir, der vor Kurzem berechtigt vom zunächst virtuell veröffentlichten Geheimtipp zum Weltbestseller wurde. Wie im Buch liegt im Film der Fokus wesentrlich auf Mark Watney, seiner Einsamkeit, seinem unbedingten Willen, sich „mit Wissenschaft aus der Scheisse zu retten“ und seinem sarkastischen, unerschütterlichen Humor, der einen wesentlichen Beitrag zu seinem Überleben leistet.

Matt Damon verkörpert überzeugend den auf dem Mars zurückgelassenen, allein und mit Hilfe von Wissen und imorovisiert genutzten Materialien auf dem Mars zu überleben. Dabei gelingt es ihm, die Balance zu halten zwischen der für die cineastische Aneignung des Stoffes notwendigen Vereinfachungen der Figur und der Darstellung von Watneys essentiellen Eigenschaften. Dabei macht er nicht den Fehler, Watney als eine Art All-American-Superheroe zu inszenieren, sondern lässt die Figur überaus menschlich bleiben in ihren Schwächen, aber auch in ihrem unbedingten Überlebenswillen und die dadurch freigesetzte Kreativität und Improvisierungskraft. Ridley Scott baut um die starken Szenen auf den Mars überzeugend die Nebenschauplätze auf: zum einen mit der „Hermes“ und der fünfköpfigen Crew (sehr eindrucksvoll: Jessica Chastain als Commander Lewis), zum anderen mit der NASA und den an der Rettung beteiligten Protagonisten.

Trotz der für die filmische Umsetzung notwendigen Verkürzung des Stoffes überzeugt der Film auf ganzer Linie, auch wenn ich mir gelegentlich etwas mehr Fokus auf der Hauptfigur und ihrer essentiellen Einsamkeit gewünscht hätte. Natürlich kommt auch Scott nicht an manchen genretypischen Klischees vorbei, hält aber geschickt die Waage zwischen dem dramaturgisch notwendigen und der Essenz der Story. Wohltuend hebt sich der Film dabei vom üblichen Hollywoodkino ab: hier sind keine Helden zu beobachten, die am Ende siegreich aus ihrem Kampf hervorgehen. Stattdessen zeigt Scott den unbedingten Überlebenswillen eines einzelnen Menschen und die Bereitschaft anderer, ihm beizustehen, auch wenn sie sich selbst in Gefahr begeben. Dramatische Filmmusik und das übliche Hollywood-Weltenretterpathos erspart sich Scott ganz und konzentriert sich ganz auf die Geschichte: so dominieren die Schauspieler diese fotografisch und von den Spezialeffekten her hervorragend in Szene gesetzte Geschichte, die auch Experten zu überzeugen vermochte:

Man sollte Literaturwissenschafter solche Filme einfach nicht rezensieren lassen. […] Lassen sie sich von einem Astronauten und Wissenschaftler dazu lieber sagen: Dieser Film mag fachlich nicht perfekt und voller Klischees sein, aber wenn man ab und zu ein Auge zudrückt ist er trotz (vielleicht auch wegen) des fehlenden und für amerikanische Filme typischen viel Knall und Wumm gnadenlos gut gemacht und meiner Meinung nach das Beste was es an Weltraumfilmen bis heute gibt. (Zitat vom ehemaligen Wissenschaftsastronauten Ulrich Walter. Quelle: Wikipedia. Aufruf 12.04.2016, 14:28 Uhr)

Am Ende bleibt der Zuschauer beeindruckt und bewegt zurück nach über zwei Stunden, in denen sich im Überlebenskampf auf einem lebensfeindlichen Planeten immer wieder das Wunder des Lebens auf der Erde sichtbar wird – aber auch die Neugier des Menschen auf die Welt da draussen, die ihn solche Risiken eingehen lässt. Eine wunderbare Literaturverfilmung!

7 thoughts on “Der Marsianer / Ridley Scott. Darst.: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara […]

  1. Hallo Jarg,
    ich stimme mit Dir: endlich einmal ein Film, bei dem die Umsetzung von der Buchvorlage zum Film exzellent gelungen ist. Wir haben ihn hier auf der Großleinwand im hiesigen Kino gesehen: Klasse. Und dann noch einmal zuhause auf dem Fernsehbildschirm [übrigens auch ziemlich groß]. Beides war fantastisch. Was mir zuhause besser gefällt: da kann ich die Lautstärke reduzieren. Die ist nämlich in amerikanischen Kinos normalerweise ohrenschädigend. 😉
    Ich würde den Film jederzeit wieder sehen, und auch das Buch jederzeit wieder lesen,
    Hab‘ ein feines Woichenende,
    Pit

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    • Etwas verspätet danke ich Dir für den Kommentar. Unser Fernseher ist leider vergleichsweise winzig – da habe ich es schon etwas bereut, den Film nicht im Kino gesehen zu haben! Das Buch ist überragend gut – kaum zu glauben, dass das ein Erstlingswerk war. Beste Grüße Dir aus der Mitte einer sonnigen, aber saukalten norddeutschen Woche, die von Eintreffen & Testen unseres über Amazon USA bestellten Zweitfrisbees gekrönt wird!!
      Jarg

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