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Mit meinen Hunden : 6000 Kilometer durch Sibirien, China und die Mongolei / Nicolas Vanier

Auch wenn ich selber vermutlich nie den Everest besteigen, durch Grönland mit dem Rucksack ziehen, um die Antarktis paddeln oder die Sahara zu Fuß durchqueren werde und meine wenigen extremen Erfahrungen (Tal des Todes! Amazonas!! Höhenwandern im Tessin!!!) in vergleichsweise geschütztem und unspektakulären Rahmen stattfanden, faszinieren mich Berichte von solchen Reisen, solange ich denken und lesen kann. Dementsprechend verschlinge ich alles, was ich in dieser Hinsicht in die Finger bekommen kann – ob „In die Wildnis“ von John Krakauer, Reinhold Messners Bücher oder klassische Expeditionsberichte.

Nicolas Vaniers Bücher gingen bisher an mir vorbei, obwohl sie mir durchaus bekannt waren. Mit dem Interesse meiner Tochter für die schönen Husky-Hunde im Kopf war der Griff zum gerade eingetroffenen neuen Buch von Vanier daher plötzlich naheliegend. Vanier, mittlerweile 54 Jahre alt und seit den frühen 1980er Jahren bevorzugt in kalten Gebieten und gerne mit Schlittenhunden und anderen geeigneten Tieren unterwegs, erzählt in „Mit meinen Hunden“ von einer besonderen Reise, die ihn durch den Nordosten Asiens führt.

Da es im Winter 2013/2014 kaum geschneit hat, bricht Vanier im Dezember 2013 unter erschwerten Bedingungen auf und muss seine zehn zum Teil recht jungen Schlittenhunde nicht nur über nur teilweise zugefrorene Wasserläufe, sondern auch durch unzureichend schneebedeckte Landstriche führen. Dabei muss er sich nicht nur mit Eis und Schnee auseinandersetzen, sondern auf seiner Tour durch einsame Steppen, Ebenen und Berge Sibiriens, Chinas und der Mongolei auch einige Auseinandersetzungen mit der örtlichen Bürokratie durchstehen. Eindrucksvoll beschreibt er, wie er und seine Schlittenhunde immer stärker zusammenwachsen und so manche Gefahr überstehen. Deutlich wird dabei auch, dass Vanier die zunehmenden Grenzen seines alternden Körpers nur mit seiner Erfahrung und Achtsamkeit ausgleichen kann, obwohl in manchen Situationen auch schieres Glück ihn vor schwereren Verletzungen bewahrt.

Bewundernswert ist das Einfühlungsvermögen Vaniers in seine Hunde, deren Charaktere er genauestens zu beschreiben weiß und deren Positionen im Zuggeschirr er immer wieder neu den Erfahrungen, aber auch den täglichen Notwendigkeiten anpasst. So gelingen Tagesleistungen von gut und gerne 100 Kilometern und mehr durch die begeisterte Zugkraft der äußerst motivierten Tiere, zu denen Vanier ein inniges Verhältnis des Respekts, der Zuneigung und der Fürsorge unterhält: immer wieder beschreibt er, wie die Hunde sich seiner Aufmerksamkeit versichern, freudig losziehen und sich gerade auch die wechselnden Leittiere in verschiedenen Situationen bewähren und ihren Teil zum Gelingen der Reise beitragen. Bei den kleinen Verletzungen, die auftreten, nimmt er den jeweiligen Hund auf dem Schlitten mit, pflegt die Tiere und ihre empfindlichen Pfoten in den Pausen und am Abend sorgfältig und sorgt auch dafür, dass sie auf schwierigen Wegstrecken kleine schützende Stiefelchen tragen.

Die überaus positiven Begegnungen mit Einheimischen und ihrer bemerkenswerten Gastfreundschaft stellen einen weiteren Fokus in dem Buch dar. Die Reise endet spektakulär im März 2014 am zugefrorenen Baikalsee, den Vanier, sichtlich bewegt und motiviert durch die Begleitung seines 10jährigen Sohnes auf der letzten Strecke, nach über 6000 Kilometern und gerade noch rechtzeitig vor den jahreszeitlich und bürokratisch gesetzten Grenzen erreicht.

Vanier begeistert mit seinem Buch über eine eindrucksvolle Reise durch menschenleere Landschaften an der Seite seiner tierischen und immer wieder auch wechselnden menschlichen Gefährten. Nicht nur für Huskyfreunde, sondern für jeden, der abenteuerliche Reiseberichte mag, ein ausgesprochen lesens- und empfehlenswertes Buch.

6 thoughts on “Mit meinen Hunden : 6000 Kilometer durch Sibirien, China und die Mongolei / Nicolas Vanier

  1. Dem Buch kann ich mich ja gerade wegen der Beschreibungen der Hunde und ihrer eigenen Charaktere kaum entziehen. Ach ja, alternde Körper könnte auch noch ein Thema sein🙂.
    Viele Grüße, Claudia

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    • Entschuldigung für die späte Freischaltung des Kommentars. Und ja, beide Themen können einen schon sehr ansprechen in diesem Buch. Ganz abgesehen von der in den Beschreibungen spürbaren Freude, mit der sich Vanier und seine Hunde durch die Natur bewegen!
      Einen zauberhaften Feiertag wünscht Dir
      Jarg

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  2. Das kann ich mir gut vorstellen und da ich auch gern Berichte über extreme Unternehmungen lese, Hunde sowieso über alles liebe, werde ich das Buch sofort auf meine Liste setzen. Bei dem Wetter draußen wäre das ja noch sehr passen.
    Lieben Gruß Marlies

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    • Ich bin ja nicht soo der Hundemensch – aber seit ich mit dieser Hundedame aus dem Erdgeschoss befreundet und quasi Rudelmitglied bin, habe ich auch einen anderen Blick auf Hunde und Hundebücher.
      Viel Spaß mit der Lektüre! Liebe Grüße sendet Dir
      Jarg

      Gefällt 1 Person

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