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Keine Gefahr / Dota Kehr

Ich melde mich ab / Ich will einen Pass, wo Erdenbewohner drin steht / Einfach nur Erdenbewohner / Sag mir bitte wohin man da geht
Zitat aus: „Grenzen“

Nach dem wunderbaren, eher zurückhaltend instrumentierten Wo soll ich suchen“ legt Dota Kehr mit ihrer Band ein neues Album vor, dass sich am Puls der Zeit bewegt und zugleich aus ihr herausfällt. Erneut stellt sie unter Beweis, dass Singer/Songwriter-Pop auch in Deutschland eindrucksvolle Alben hervorbringen kann, die sich aus dem akustischen Einerlei der Popcharts wohltuend abheben, noch Geschichten erzählen können und spürbar als Gesamtkunstwerk konzipiert wurden statt als beliebiges Liederbuffett zum Herunterladen. Neu ist, dass sich auch zurückhaltend aber wahrnehmbar Elektronik in ihren von Jazz und Bossa-Nova gefärbten feinen Pop mischt. Die Bandbreite reicht von der sanften Ballade bis zum tanzbaren Discobeat. Doch nichts wären all diese feinen Musikalien ohne die wunderbar damit verbundenen Texte, in denen wunderbare Lyrik und Inhalt treffend miteinander verschmelzen, die geistreiche Beobachtung der Gegenwart auf das lyrische Ich trifft und feine Worte findet, in denen die Botschaft sich nie hinter der Sprache versteckt.

Mit den treibenden Rhythmen von „Mantel“ zieht sie einen rasch in das Album hinein Hochaktuell ist dabei der zweite Titel des Albums, gefolgt von „Grenzen“, ein Song, der unerhört politisch ist und doch nie aufgesetzt, konstruiert wirkt. Das mit Synthesizer und elektronischen Beats treibende, trotzig dem Aufbruch huldigende „Vergiftet“ geht sofort in die Beine, um dann vom sanften, melancholischen und sehr sparsam arrangierten „Stille Wasser“ kontrastiert zu werden, in dem die Liedermacherqualitäten deutlich sichtbar werden. Ihren feinen Humor stellt sie mit dem beschwingten „Rennrad“ unter Beweis, der sich ironisch den Prahlschnallen dieser Welt widmet, mit denen man am Ende dann doch nicht durchbrennen möchte. Dann kommt das elegische „Weit, weit, weit“ und man ist endgültig verloren an die Welt von Dota Kehr zwischen Tiefe und Leichtigkeit, zwischen dem Ernst der Welt und dem grundlosen Lachen, dem Spaß am Spaß.

Schöne Texte, gute Arrangements: Ein wunderbares, nuancenreiches Album, das einen rasch in den Bann zieht und auch beim mehrmaligen Hören nicht langweilig wird.

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