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Westeros : Die Welt von Eis und Feuer / George R. R. Martin. Elio M. García. Linda Antonsson

Ich muss ja zugeben: die letzte Fernsehserie, die ich einigermaßen regelmäßig verfolgt habe, war „King of Queens“. Das liegt unglaublich lange zurück und war quasi in einem anderen Leben? Mittlerweile habe ich Kinder, gucke mit meiner Frau eher DVD und dann auch in der Regel nur Filme, die nicht länger als 90 Minuten dauern, weil so ein Berufs- und Familienleben eben ganz schön schlaucht und es ärgerlich ist, wenn man einschläft und das Ende verpasst hat.

Nun läuft seit Ewigkeiten die weithin Beachtung findende Serie „Game of Thrones“ – die mit „King of Queens“ ungefähr so viel gemein hat wie „Shaun das Schaf“ mit „Apocalypse now“ – , deren Staffeln ich immer munter für die Bibliothek erwerbe und die eigentlich – ebenso wie die EBooks und Bücher – permanent ausgeliehen sind. Damit sei an dieser Stelle nochmal deutlich darauf verwiesen, dass ich all die Filme, die ich das Glück habe, kaufen zu dürfen, nicht alle selber sehe, was bei ca. 300 Filmen im Jahr auch eher ein hoffnungsloses Unterfangen wäre, zumal da ja auch noch all die Bücher und Musik-CDs dazukommen, die über meinen Schreibtisch gehen. Ich erwecke nur meist erfolgreich den Anschein, ich würde das tun und befördere damit das marketingstrategisch immens wichtige Klischee, nachdem wir in der Bibliothek alles kennen, was da steht. So, jetzt wissen Sie, warum die Bibliothek ihres Vertrauens Ihnen immer so treffsicher die richtigen Bücher empfiehlt. Was Sie noch nicht wissen ist, warum hier dieses Buch besprochen wird.

Nun, wir haben es getan! Wir haben die erste Staffel der seit 2011 laufenden Serie gesehen. Und zwar fast alles: bei ein paar recht blutigen Szenen hatten wir die Hand vor Augen und sahen erst wieder hin, als die Geräuschkulisse vermuten ließ, dass man nicht unvermittelt abgeschnittene Köpfe zu sehen kriegt. Ich muss zugeben: die Serie entwickelt einen gewissen Sogfaktor, sobald es nach den ersten drei, vier Folgen endlich mal voran geht. Grandiose Kulissen, gute Schauspieler, Ränke- und Machtspiele, Intrigen, dazu wie erwähnt durchaus dramaturgisch gerechtfertigte Gewalt und – nun ja – Sex. Da schauten wir schon mal zwei Folgen nacheinander.

Allerdings waren wir manchmal doch ein wenig desorientiert. Warum ist da jetzt von einem irren König die Rede, wer ist hier eigentlich mit wem verwandt, wer ist verbündet mit wem, was haben diese unglaublich blonden Geschwister mit offensichtlich nicht mehr vorhandenen Drachen zu tun und was soll diese komische Riesenmauer? Auf welche weit zurückliegenden Schlachten beziehen sich die alten Haudegen da immer und wer war (und ist) eigentlich in wen verliebt und warum?

Mittlerweile bin ich schlauer, denn das Buch kam ins Spiel: es erzählt die Vorgeschichte der gesamten Buch- und Filmreihe, von Ursprungsmythen bis hin zu allen bisherigen Königen, den verschiedenen Geschlechtern und Adelshäusern, den unterschiedlichen Machtzentren, Burgen und wichtigen Orten. Es beschreibt einzelne Völker, ihren Glauben, ihre Verortung im Machtgefüge und die geografischen Verhältnisse in Westeros und der darum liegenden fiktiven Welt. Das half enorm: im Nachhinein wird so klar, warum es bei all diesen Kämpfen um den eisernen Thron eigentlich geht, wie alte und neue Fehden begründet sind – und warum bestimmte Protagonisten so mit Dracheneiern herumhantieren.

Damit bietet das schön ausgestattete Buch „Westeros“ mit seinen gut 300 schön illustrierten Seiten eine solide Grundlage für all jene, die nicht unbedingt mehrere tausend Seiten der Romanvorlage lesen wollen, um die Serie grundsätzlicher zu verstehen. Aufgebaut wie die Chronik eines zeitgenössischen Historikers, liest sich das Ganze sehr flüssig, lässt sich aber durch die nicht stringent erzählende, sondern mehr berichtende und in einzelne abgeschlossene Kapitel aufgeteilte Schilderung auch stöbernd erschließen. So wächst auch die Neugier auf die zweite Staffel: dumm nur, dass die gerade zur Neubeschichtung ist.

12 thoughts on “Westeros : Die Welt von Eis und Feuer / George R. R. Martin. Elio M. García. Linda Antonsson

  1. Das ist mal sinnvoller Kapitalimus. Das Buch zur TV Serie für all jene die zu bequem zum Lesen sind. Wir haben damals die Bücher verschlungen, im Affentempo (siehe Sogfaktor😉) ich dem Göga immer ein Buch voraus und gegen bisherigem Ende waren die Verwandschafts- und Verbandelungsverhältnisse nur dank Anhang und ausgeprägten Diskussionen und Recherchen zu klären Oder nicht. Die Serie ist auch bestens ausgestattet, aber nicht konkurrenzfähig zum eigenen Kopfkino. Beruhigt mich sehr , dass es noch mehr Menschen gibt die Zuflucht hinter den Händen suchen😊 Mal sehen ob die Stabi meines Vertrauens ebenfalls ein Exemplar hat. Staffel 6 steht bald an.

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    • Ich zögere ja noch ein wenig mit der Lektüre (Grund s. vorherigen Kommentar von mir), ziehe mir aber den ersten Band vielleicht als E-Book im anstehenden Urlaub. Auf jeden Fall habe ich jetzt den totalen Durchblick bei der ersten Staffel – jedenfalls fühlt es sich so an. Fiese Testfragen von Game-of-thrones-Nerds aus der Kollegensxhaft brachten dann eher ernüchternde Ergebnisse. Auch egal … Hauptsache, ich bin nicht total verloren zwischen Dracheneiern, Eismauern und wilden Zopfträgern mit archaischen Riten.

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      • Schwierig, wenn man das ganze als optisch hübsch angerichtetes fast food serviert bekommen kann. Die Seitenzahlen blockieren den Enthusiasmus, das kann ich gut nachvollziehen und es gibt soviel lockende Lektüre. Man kann es auch für das Reisen im Rentenalter aufheben😉

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  2. Lieber Jarg, ja, auch ich bekenne mich zur Serie Game of Thrones, gerade habe ich die letzte Staffel (Nr.6 inzwischen) gesehen. Es wird mitunter blutiger und meine Hand ist öfter über meine Augen. Aber die Geschichte ist immernoch faszinierend. Mein Sohn schaut die Staffeln im englischen Original und stöhnt mitunter über die Dialoglastigkeit und die vielen offenen Handlungsstränge. Und natürlich hat sich George R. R. Martin in der Weltgeschichte bedient, manchmal sehe ich Arthus und manchmal sehe ich Napoleon🙂 Danke für den Hinweis auf das Buch, ich habe mir den ersten Teil in der Bücherei als Hörbuch geliehen aber es noch nicht übers Herz gebracht, mit dem Hören zu beginnen.
    Einen schönen Montag für dich und deine Familie von Susanne

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    • Liebe Susanne, etwas verspätet lieben Dank für die Montagsgrüsae. Wir warten noch auf die zwei Ze Staffel und sind schon vorgewarnt, dass das Gemetzel noch übler wird. Aber die Geschichte übt schon eine gewisseFaszination aus, vielleicht auch gerade deshalb, weil Martin sich so aus der menschlichen, an Abgründen ja auch nicht armen Geschichte bedient.
      Beste Grüße zum Dienstagabend für dich und die deinen von Jarg und Co.

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      • Das Gemetzel müsste halt vielleicht nicht sein. Andererseits war Gemetzel in historischen Zeiten ja durchaus beliebtes und probates Mittel der Interessendurchsetzung – und ich bin da eh etwas arg „empfindsam“.😉

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      • Ja, es gibt ja Archäologen, die auf Schlachten spezialisiert sind. Neulich lief im zdf eine Terra X Folge mit diesem Thema – interessant. Ich bin auch so „empfindsam“, bei jedem zweiten Film rollen bei mir die Tränen.

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      • Das kenne ich: es gibt so Filme, da müssen die Taschentücher in der Nähe liegen. Und meine Grenze bei Gruselhorroretc ist eh FSK 16 … alles darüber ist mir zu blutig – und zwei Stinden lang die Augen schliesslich und schreckliche Geräusche aus dem Fernseher hören ist auch nicht so meins.
        Ein zauberhaftes Wochenende dir, liebe Susanne!
        Jarg

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  3. Na, dann weiß ich doch schon mal, was ich mir als Geburtstagsgeschenk wünschen kann!😉

    So ein Nachschlagewerk ist doch eine schöne Alternative zur Buchreihe, die ich seit geraumer Zeit einfach nicht zu Ende lesen möchte – dann wäre sie ja vorbei!🙂

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    • Macht sich in diesem Großformat jedenfalls auch gut als Schauwerk auf der Kaffeetafel. Ich weiß ja noch nicht, ob ich die Buchreihe anfange – schon „Ser Herr der Finge“ war vor ein paar Jahren echt Arbeit, zumal sich mein damals 6jähriger Sohn immer ganze Passagen vorlesen ließ, die ich dann natürlich nochmal für mich allein und vollständig lesen musste, weil ich das ganze Gemetzel natürlich ausgespart habe.

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