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Everest / Regie: Baltasar Kormákur. Darst.: Jason Clarke, Josh Brolin, Emily Watson, Keira Knightley, Robin Wright, John Hawke (…)

In diesem Jahr entsetzen uns wieder etliche Todesfälle am Mount Everest, dem höchsten Berg der Erde, der in den letzten Jahrzehnten zum Ziel geführter Besteigungen wurde, an denen nicht selten Menschen teilnehmen, die keinerlei Erfahrung mit solchen extremen Bergbesteigungen haben. In den 1990er Jahren begann die Touristisierung der Everest-Besteigungen und führte im Jahr 1996 zu dramatischen Ereignissen: 30 Bergsteiger wurden damals hoch im Berg von einem Wetterumschwung erfasst, von denen acht starben. John Krakauer, der als Bergsteiger und Journalist an einer der geführten Touren teilnahm, schrieb damals seinen nicht unumstrittenden Weltbestseller„In eisige Höhen“, in dem er das Unglück aufarbeitete.

Fast zwei Jahrzehnte später widmet sich Regisseur Baltasar Kormákur, der mich zuletzt mit „The Deep“ tief beeindruckte, den Ereignissen von 1996: in seiner aufwändigen Verfilmung steht eine sehr geradlinige, nüchterne Nacherzählung des Geschehens im Mittelpunkt, sodass keine spielfilmtypische Fokussierung auf einen Helden oder eine Heldin gewählt wurde. Trotz der für einen Film dieser Länge notwendigen Verdichtung zeichnet er wesentlich und aus verschiedenen Blickwinkeln die Ereignisse nach und wechselt notwendig immer wieder die Perspektive.

Trotz der Kontroverse um den Film, der unter anderem auch von Jon Krakauer verrissen wurde, ist Kormákur ein beeindruckender Film gelungen, der sehr empathisch und nachfühlbar den Überlebenskampf am Berg und die unerbittliche Ungerührtheit, aber auch atemberaubende, verlockende Schönheit der rauhen Natur dort ins Szene setzt. Überzogenes Pathos vermeidet Kormákur dabei – und berührt eben deshalb mit überaus starken Bildern. Als Zuschauer meint man die Quaken der Bergsteiger fast physisch nachzuempfinden, zugleich tief bewegt wie entsetzt, wie schmal in diesen großen Höhen der Grat zwischen Leben und Tod ist, wie gering die höhenbedingten Fehlleistungen sein müssen, um in tödliche Gefahr zu geraten, ja unrettbar verloren zu sein.

Kormákur enthält sich jeder Wertung und erzählt nur, was geschah: als Zuschauer ist man hin- und hergerissen zwischen der nachvollziehbar dargestellten Herausforderung, diesen Berg zu besteigen, und der Kritik an kommerziellen Besteigungen, die Menschen auf den Berg führen, die physisch und mental gar nicht in der Lage sind, ihn ohne Hilfe zu besteigen.

Der mit hohem technischen Aufwand am Everest selbst, im italienischen Schnalstal, in Kathmandu und in verschiedenen Studios gedrehte Film gehört für mich trotz der Kritik zu den eindrucksvollsten, intensivsten und bildmächtigsten Bergsteigerfilmen der letzten Jahre.

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