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Das Seelenleben der Tiere : Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt / Peter Wohlleben

Der Förster Peter Wohlleben, der in einem Forst in der Eifel seit 2006 bestrebt ist, bei der Forstnutzung Ökologie und Ökonomie unter einen Hut zu bringen, legt nach dem äußerst lesenswerten „Das geheime Leben der Bäume“ ein weiteres Buch vor, dass diesmal tiefe Einblicke in die uns verborgene Gefühls- und Gedankenwelt von Tieren vornimmt. Wohlleben verbindet dabei seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen als Förster mit aktuellen, zum Teil mehr als verblüffenden und erstaunlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Bewusstsein und zu den Emotionen von Tieren.

Die Bandbreite der Beispiele reicht dabei vom räumlich orientierten Schleimpilz, der in einem Labyrinth zielsicher den Weg zu den Haferflocken findet, über Krähen, die schneebedeckte Dächer als Rutschbahn benutzen, ihre Hennen belügende Hähne und Pferde mit Schamgefühl bis hin zu trauernden Hirschen. Wohlleben führt uns in seinem Buch durch eine ganzes Kaleidoskop von Gefühlen und emotionalen, an Bewusstsein zumindest grenzenden „Zuständen“ – und zeigt, dass Tiere ein überraschend vielfältiges Gefühlsleben zeigen können: Angst, Lüge, Treue oder Trauer haben darin ebenso ihren Platz wie Vertrauen, Begierde, Mitgefühl oder Berechnung. Selbst in die Zukunft gerichtetes Denken und die Vergabe einer Art von individuellem, an einen bestimmten Laut gekoppelten Namens (etwa bei Kolkraben) lässt sich bei einigen Tierarten beobachten und nachweisen.

Die Wissenschaft gibt Wohllebens Beobachtungen und Erkenntnissen dabei durchaus recht, ist doch das für Emotionen zuständige limbische System des Gehirns in evolutionärer Hinsicht älter als der Neocortex und bei den Wirbeltierarten unisono vorhanden. Wohlleben plädiert dafür, wesentlich mehr wissenschaftliche Aufmerksamkeit in die Analyse der Tierkommunikation zu legen, um mit Tieren anders, besser kommunizieren zu können.

Am Ende seines Buches diskutiert er sogar die Frage, ob Tiere so etwas wie eine Seele haben. Wohlleben, dem religiöse Vorstellungen fremd sind, stellt dabei provokant die Frage, ab welcher Entwicklungsstufe des Menschen eigentlich klar ist, dass sie in den Himmel kommen: erst mit irgendeiner weiblichen Vorfahrin der vor 200023 Jahren lebte. Mit einem feuersteinbewaffneten Mann, der vor 200197 Jahren lebte, oder vielleicht doch erst seit 4000 Jahren. Davon ausgehend schliesst Wohlleben, dass es keine scharfe Grenze gibt und geben kann für etwas, dass die Religion als Seele definiert und nach seinem Gefühl mit dem Tod verschwindet: hätte die Religion recht, so führt Wohlleben in einer schönen Vision aus, müsste eigentlich jedes, ausnahmslos jedes Lebewesen in den Himmel kommt, denn eine genaue Trennstufe, ab wann der Homo sapiens beginnt, gibt es nicht.

Wohlleben versteht es, mitreißend zu schreiben und reisst den Leser, die Leserin von der erste Seite an mit auf seinem „Spaziergang“ in die emotionale Welt der Tiere. Ein wunderbares, ungemein anregendes und schönes Buch ist so entstanden, dass ich keinen Moment beiseite legen mochte.

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8 Kommentare zu “Das Seelenleben der Tiere : Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt / Peter Wohlleben

    • Lohnt sich. War bei den Bäumen auch skeptisch als skeptischer Zweifler – begegne seitdem aber gequälten Stadtbäumen mit sehr viel mehr Respekt, obwohl die mich weiter mit Kastanien, Eicheln und toten Ästen bewerfen 😉

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