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Letzter Bus nach Coffeeville : Roman / J. Paul Henderson

Eugene „Doc“ Chaney ist mittlerweile 72 Jahre alt. Glücklich kann man ihn nicht nennen: Frau und Kind hat er früh verloren, sein Beruf als Allgemeinmediziner war auch nicht gerade die große Erfüllung und einsam ist er auch. Eines Tages taucht seine Jugendliebe

Nancy wieder auf und erinnert ihn an ein Versprechen, dass er ihr einst gab: sollte auch bei ihr eines Tages die in der Familie gehäuft auftretende Alzheimerkrankheit ausbrechen, soll er ihr beistehen.

Tatsächlich bricht auch bei Nancy die Krankheit aus. Für Eugene ist es selbstverständlich, dass er ihr hilft: er nimmt Kontakt auf zu seinem alten Freund, farbigen Bob auf. Schon bald fahren sie mit einem alten, gestohlenen Tourbus der Beatles Richtung Mississippi über Nashville, die Farm der Waltons und Memphis – und die drei sind nicht allein: neben der Alzheimerkrankheit Nancy steigen nach und nach eine Reihe ungewöhnlicher Passagiere zu – und mit ihnen ihre absurden, komischen und tieftraurigen Geschichten, die einen in zahlreichen Rückblenden durch das Leben der Haupt- und Nebenfiguren und bis zurück in die 1950er und 1960er Jahre führen. Bis der Bus und seine Besatzung eines Tages …

J. Paul Henderson entfaltet in seinem furiosen Debütroman ein Kaleidoskop zum Teil miteinander vernetzter Geschichten: in den Reisegefährten spiegeln sich Vergangenheit und Gegenwart Amerikas von der Bürgerbewegung über die Rassenunruhen und den Vietnamkrieg bis in die Gegenwart. Obwohl selbst Che Guevara und Fidel Castro auftauchen, bleibt der Fokus dennoch auf der subjektiven Ebene, auf den Individuen und Ihren zum Teil bizarren Lebensgeschichten und den Erlebnissen auf der Reise: beides rührt einen im einen Moment zu Tränen und lässt im nächsten Augenblick das Zwerchfell beben.

Henderson ist ein wunderbarer Roman gelungen voller absonderlicher, liebenswerter Figuren. Mit großer Empathie widmet sich der Autor jeder Figur, streift nicht selten das Absurde und lässt einen zugleich herzhaft lachen über Rassenwahn, abfallende Ohren, Waffenfanatiker, bigotte Christen, Chemotherapie und Alzheimer. Und wer jetzt meint, das darf man nicht, der sei überzeugt, dass dieser Roman über Freundschaft, Verlust und Vergänglichkeit nicht nur eine gehörige Portion trotziger Rebellion, sondern auch eine tiefe Liebe zum Leben in sich trägt. Man mag das Buch kaum aus der Hand legen, fühlt sich zuweilen an John Irving erinnert und fiebert bis zum Ende mit den Figuren mit.

Ein literarischer Roadmovie der besonderen Art, den ich sehr gerne empfehle.

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