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Wie Brüder im Wind / Regie: Gerardo Olivares, Otmar Penker. Darst.: Manuel Camacho, Tobias Moretti, Jean Reno.

Alpenrand, 1960er Jahre. Der zwölfjährige Lukas spricht schon seit einer Weile nicht mehr mit seinem Vater, dem rauhen Bergbauern Keller. Beide leben und arbeiten nebeneinander her in der Bergeinsamkeit.

Als Lukas in der Nähe einer Felswand ein Steinadlerküken findet, das von seinem Adlerbruder außen Nest gestoßen wurde, versteckt er ihn in ihrer alten, niedergebrannten Hütte vor seinem Vater, der Adler gnadenlos verfolgt. Mit Unterstützung des alten Försters Danzer gelingt es ihm, den Vogel großzuziehen. Lukas empfindet große Zuneigung zu dem Abel genannten Adler – eine Zuneigung, die ihm vom ruppigen Vater verwehrt wird, von dem er sich weiter entfernt.

Als Lukas dem Adler Jagen und Fliegen beigebracht hat, wird ihm klar, dass er ihm die Freiheit geben und ihn loslassen muss, wenn er ihn wirklich liebt. Tatsächlich lässt er ihn noch vor dem Winter frei – und vermisst in bald so sehr, dass er ihn zu suchen beginnt.

„Wie Brüder im Wind“ ist ein ungewöhnlicher, ungemein beeindruckender Film. Basierend auf einer fiktiven, ebenso archaisch anmutenden wie bewegenden Geschichte setzen die Filmemacher die Steinadler und die Alpen im Rahmen der Filmhandlung spektakulär in Szene. Die auf die drei menschlichen Protagonisten fokussierte Handlung der Geschichte verschränkt sich in der Filmerzählung mit der Geschichte des Adlers Abel und der Kulisse der hohen Alpenals schöner, jedoch rauher und keinen Fehler verzeihender Lebensraum.

Die Besetzung ist herausragend: Jean Reno, den ich sehr schätze, alsFörster Danzer, Menschliches Bibdeglied zwischen einander tief entfremdeten Vater und Sohn, der Junge Mnuel Camcho als in sich gekehrter, offensichtlich traumatisierter Junge, der Trost in er Natur und bei den Tieten sucht, und Tobis Moretti, der den bärbeissigen, verbitterten Vater mit einem unvergleichlich subtilen Mienenspiel zu geben weiß. Das Zusammenspiel der drei Schauspieler ist meisterhaft und von tiefem Gespür für die seelischen Untiefen der von Ihnen verkörperten Figuren gekennzeichnet. Die Geschichte bedarf dabei weniger Worte, wird nicht selten von Gestik und Mienenspiel entscheidend vorangetrieben.

Was den Film am Ende ungewöhnlich macht, ist die intensive Einbindung der Adler in die Handlung: dabei stehen Szenen mit Schauspielern in ihrer filmischen Intensität gleichrangig neben den reinen, geradezu unglaublichen Naturaufnahmen vom Überleben des Adlers, die im Naturfilmbereich sicher ihresgleichen suchen. Der filmische und technische Aufwand dafür war hoch, wie man im beeindruckenden Making-of des Films sehen kann.

Die im Film gezeigten, abgerichteten Adler wurden überdies intensiv auf die Dreharbeiten vorbereitet. Dazu gehörte auch, sie an Hubschrauber zu gewöhnen, denn man flog mit ihnen und ihren Falknern unter zum Teil lebensgefährlichen Wetterbedingungen auch auf Gipfelgrate, um sie dort im Abflug zu filmen. Kleine Kameras am Vogel zeigen dann sogar dieWelt aus Adlersicht. Auch der Hauptdarsteller erhielt ein zweiwöchiges Traininng mit den Tieren, was sicher zu seiner beeindruckenden Souveränität im Spiel mit den Vögeln beigetragen haben wird.

Fazit: eine seltene und zutiefst bewegende Mischung aus Drama und Naturfilm, die mit spektakulären Tier- und Naturaufnahmen aufwartet, dabei aber die erzählte Geschichte mit feinem Schauspiel überzeugend und subtil entwickelt. Für mich einer der schönsten Filme, den ich in diesem Jahr gesehen habe – ein Film, der lange nachwirkt.

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