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Die Star Trek Physik : Warum die Enterprise nur 158 Kilo wiegt und andere galaktische Geheimnisse / Metin Tolan

Die Fernsehserie „Star Trek“, hierzulande zunächst als Raumschiff Enterprise bekannt, und ihre Ableger in Fernsehen und Kino begeistern seit mittlerweile fast fünf Jahrzehnten weltweit. Bemerkenswert ist dabei nicht nur, dass die Serie schon den 19602er Jahren gesellschaftlich fortschrittliche Ansichten transportierte, sondern mit der Projektion menschlicher Erkenntnisse in die Zukunft oft den Eindruck erweckt, sehr fest auf dem Boden der Physik und ihrer Gesetze zu stehen. Metin Tolan, Professor für Experimentelle Physik an der Technischen Universität Dortmund, der nicht nur als einer der besten, sondern auch der unterhaltsamsten Physikerklärer Deutschlands gilt, untersucht in diesem Buch das Universum von Star Trek auf seine wissenschaftliche Glaubwürdigkeit und die technischen Realisationsmöglichkeiten.

Dabei kommt er zu erstaunlichen Erkenntnissen: tatsächlich sind etliche technische Möglichkeiten in Star Trek mit den Naturgesetzen vereinbar und prinzipiell möglich. Das heisst aber natürlich nicht in jedem Fall, dass sie auch tatsächlich realisierbar sind. Die Lieblingstechnik „Beamen“, die man sich als gestresster Pendler nicht selten wünscht, gehört dazu: sie ist mit den Naturgesetzen vereinbar, würde aber absurd hohe Energiemengen erfordern. Auch das Holodeck ist in dieser Form nicht möglich – und die Reise mit Warp 9,9 zu anderen Galaxien (dem 1000fachen der Lichtgeschwindigkeit) wird wohl für immer ein Traum bleiben. In vielen Bereichen ist die Star-Trek-Technik aber erstaunlich nach an den gegenwärtigen technischen und physikalischen Erkenntnissen, auch wenn sie aufgrund der dramaturgisch notwendigen Erfordernisse dann doch ein Quentchen Phantasie zuviel dazumischt.

Metin Tolan zitiert häufig aus den Dialogen der Serie und der Filme, die sich nicht selten auf wissenschaftlichen Konsens aus der Zeit beziehen, in denen die jeweiligen Dreharbeiten stattfanden, erläutert, weshalb man damals dann doch falsch lag und macht so en passant auch wissenschaftliche Erkenntnis sichtbar. Insbesondere im Bereich der Materialforschung, der künstlichen Intelligenz und der Medizin scheint im Star Trek Universum einiges von der Zukunft vorzukommen, was heute denkbar ist: so ist transparentes Aluminium mit dem Wissen und den technischen Möglichkeiten von heute für die Zukunft ebenso denkbar wie künstliche Netzhaut oder künstliche Intelligenz, die nah an die Möglichkeiten vom Androiden Data herankommt. Ausgesprochen erstaunlich ist die Exaktheit, mit der in Star Trek gegenwärtige Forschungsstände in die Szenen mit einfliessen und in die Zukunft projiziert werden – lediglich die deutschen Übersetzungen der Originaldialoge scheinen hier zu zum Teil wesentlichen Fehlern geführt zu haben.

Metin Tolan zeigt, dass Physik und Wissenschaft keine drögen Stoffe sein müssen und reist mit uns – quasi an Bord der „Enterprise“ und anderer Raumschiffe der Serie – durch die Welt der Naturwissenschaft zu solch spannenden Themen wie Zeitreisen, Planetensystemen, kleinsten Teilchen, Quantenphysik und künstlicher Intelligenz. Dabei zeigt er, dass die Gesetze der Physik schon seit 130 Jahren im wesentlichen bekannt sind und sich jede neue Erkenntnis bisher gut mit Grundannahmen der Physik verbinden lassen. Für den, der es genauer wissen will, bietet er zu jeder wesentlichen Fragestellung die „Details für Besserwisser“, die dann schon sehr in die Tiefe gehen.

„Die Star Trek Physik“ ist ein ebenso spannendes wie lehrreiches und unterhaltsames Buch gelungen, das sowohl dem Science-Fiction-Fan als auch dem Physik-Nerd wärmestens empfohlen werden kann. Bestes Sachbuchkino also!

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6 Kommentare zu “Die Star Trek Physik : Warum die Enterprise nur 158 Kilo wiegt und andere galaktische Geheimnisse / Metin Tolan

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