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Deutschlands wilde Wölfe / Axel Gomille

Vor über hundert Jahren wurden die letzten Wölfe in Deutschland erlegt. Bis in die 1990er Jahre tauchten die faszinierenden Raubtiere nur noch selten in unseren durch die Agrarindustrie durchstrukturierten Landschaften auf. Wenn überhaupt, gab es Wölfe allenfalls in Zoos und Wildparks zu sehen, wo sie aufgrund der räumlichen Enge ein zum Teil vollkommen anderes Sozialverhalten an den Tag legen als in freier Wildbahn. Doch um das Jahr 2000 herum begann sich das zu ändern: Wölfe wanderten aus dem Osten zu, erster Nachwuchs stellte sich ein.

Heute leben in Deutschland etwa 31 Wolfsrudel, acht Paare und dazu ein paar Einzelgänger: insgesamt vermutlich über 300 Tiere. Insgesamt wäre in Deutschland Lebensraum genug für etwa 440 Wolfrudel. Sofern man sie lässt und ihnen geeignete Gebiete nicht streitig macht, können Wölfe recht unauffällig neben uns Menschen leben. Der Fotograf und ZDF-Redakteur Axel Gomille geht in seinem Buch den Spuren des Wolfes nach und räumt dabei auch mit alten, in Märchen überlieferten Klischees und sich daraus speisenden modernen Ängsten auf. Er dokumentiert die einzelnen Meilensteine auf dem Weg zu einer wachsenden Wolfspopulation in Deutschland, beginnend mit ersten Rudeln im Osten.

Schutz- und Aufklärungsmaßnahmen sind dabei ebenso ein Thema wie die Biologie der Tiere, vor allem ihr Sozial- und Wanderverhalten: verblüfft erfährt der Leser so, dass sich Wölfe in freier Wildbahn wesentlich umgänglicher miteinander zeigen als in den engen Gehegen von Wildparks. Gomille räumt dabei auch gründlich mit den Vorurteilen gegenüber dem Wolf auf, verschweigt aber auch nicht, dass einzelne Bevölkerungsgruppen durchaus Nachteile durch die wachsende Zahl der Wölfe zu befürchten haben, darunter vor allem Schäfer und Jäger. Während erstgenannte sich durch Zäune und vor allem geeignete Hütehunde mittlerweile gut schützen können und im Schadensfall Ersatz für getötete Tiere erhalten, steht ein Teil der Jägerschaft dem Wolf naturgemäß kritisch gegenüber, fürchtet sie doch um den jagdbaren Wildbestand in den Wäldern: Ängste, die weitgehend unbegründet sind, da Deutschland aufgrund der massiven Eingriffe von Jägern, die meistens viel jagdbares Wild haben wollen, in natürliche Kreisläufe über eine der höchsten Wildtierdichten verfügt.

Axel Gomille ist ein hervorragendes Buch gelungen, das die Faszination für diese scheuen, selten zu erblickenden Tiere weckt und faktenreich über die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland berichtet. Besonders hervorzuheben sind dabei die wunderschönen Farbfotos, in denen Wölfe unter anderem bei der Jagd, beim Umherstreifen oder beim Spiel zu sehen sind. Ein sehr empfehlenswertes Buch für alle, denen diese seltenen, faszinierenden Tiere am Herzen liegen.

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9 Kommentare zu “Deutschlands wilde Wölfe / Axel Gomille

  1. Pingback: Deutschlands wilde Wölfe – Es wird Zeit, dass es Zeit wird.

  2. Lieber Jarg,
    so ein Zufall: Gerade heute habe ich mit der Lektüre des Buches „Wölfe. Ein Portrait von Petra Ahne“ (erschienen in der feinfeinen Reihe NATURKUNDEN im Matthes & Seitz Verlag) begonnen. Das von Dir vorgestellte Buch scheint zoologischer aufgebaut zu sein, während das Buch von Petra Ahne, die Wölfe und die wechselnde Einstellung des Menschen gegenüber diesem „wilden Raubtier“ sehr interessant kulturgeschichtlich (u.a. im Spiegel alter Tierlexika) darstellt.
    Mich faszinieren Wölfe! 🙂

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    • Liebe Ulrike,
      es ist vor allem ein wunderschöner Bildband, angereichert mit wertvollen, zum Teil verblüffenden Infos. Danke für den Hinweis auf das Buch von Ahne – da werfe ich doch mal mein Buchradar an!
      Liebe Grüße von Jarg

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  3. Vor ein paar Tagen hörte ich in den Nachrichten, dass man nun wieder beginnt Wölfe zu jagen, man argumentiert, dass man sie nicht wieder ausrotten will, aber ihre Populationen auch nicht zu gross werden lassen will- ich glaube, dass noch Platz ist, wie du es ja auch sagst oder der Buchautor-
    ich danke für den Tipp, den ich gerne an ein paar meiner Wolfsfreundinnen weitergeben werde…
    dir einen schönen Tag
    herzliche Grüsse
    Ulli

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    • Hallo Ulli,
      etwas verspätet danke ich für deinen Kommentar! Das ist das schöne an dem Buch: es weckt Faszination für den Wolf, nimmt Ängste, beseitigt Vorurteile, verschweigt aber auch die mäglichen Ürobleme nicht. Hoffen wir das Beste für diese wunderbaren Tiere!
      Liebe Grüße von Jarg

      Gefällt 1 Person

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