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Leolo / Regie u. Drehb.: Jean-Claude Lauzon. Darst.: Maxime Collin, Ginette Reno, Julien Guiomar, Pierre Bourgault (…)

Weil ich träume bin ich nicht.
Denn wenn ich träume bin ich nicht verrückt.
Weil ich mich meinen Träumen überlasse in der Nacht.
Bevor mich der Tag empfängt.
Weil ich nicht liebe.
Weil ich Angst habe zu lieben.
Ich träume nicht mehr.
Ich träume nicht mehr.“. (Filmzitat)

Montreal. Der 14jährige Leo Lauzon lebt mit seiner Familie in armen, beengten und bedrückenden Verhältnissen, umgeben von Gewalt, sinnlos erscheinendem Alltag und offenbar wahnsinnigen Verwandten. Leo mag sich nicht an das Erwachsenenleben gewöhnen und flüchtet in die Fantasie, in Tagträume: er stellt sich vor, nicht von seinem Vater gezeugt worden zu sein, sondern durch eine mit Sperma befleckte importierte Tomate von einem Italiener. Fortan nennt er sich Leolo.

Ein „Dompteur der Worte“ hat Leolo auch das Buch L’avalée des avalés“ (Réjean Ducharme), in dem Leolo fortan nächtlich lesen und sich im Schein des Kühlschranks verlieren wird – vor allem in den Worten „…. und weil ich träume, bin ich nicht“.

Alles, was ihn beschäftigt und quält, schreibt er auf Papier und schmeißt es anschliessend fort. Die Zettel werden vom Dompteur der Worte gesammelt, der Leolo jedoch nicht zu retten vermag. Am Schluss endet Leolo in der Psychiatrie, und wird sich „… ausruhen, den Kopf zwischen zwei Worten in L’avalée des avalés“.

Ein verstörender Film, surreal und bizarr, vom immenser, geradezu brutaler emotionaler Wucht in der Sprache seiner Bilder und doch immer wieder wunderschön und voller Poesie, über ein Kind, das sich im Erwachsenwerden vor der gewalttätigen, sinnlos erscheinenden Welt der Erwachsenen in Fantasie und Träume rettet. In der zum Teil bizarren Überzeichnung seiner Protagonisten legt Lauzon Kernelemente des Menschlichen in ihrer ganzen Tragik, Komik und Schönheit frei.

Der viel zu früh verstorbene Jean-Claude Lauzon hat in diesen Film schonungslos Erfahrungen aus seiner Kindheit einfliessen lassen und sie zu magischen, mal überaus derben, mal wunderschönen Bildern und einer tragischen Geschichte verwoben: wie ein in bewegte Bilder umgesetzter rasender Gedankenstrom reißt der Film den Zuschauer mit, der am Ende tief berührt und wie aus der Welt gefallen zurückbleibt, nah der Verlorenheit des Protagonisten, der an der Welt scheitert.

Der Film wurde von TIME nicht zu Unrecht zu einem der 100 besten Filme aller Zeiten gezählt und hat auch 25 Jahre nach seine Premiere 1992 nichts von seiner magischen Intensität verloren. Für mich immer noch einer der besten Filme, die ich je gesehen habe und eine unvergessliche cineastische Erfahrung.

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4 Kommentare zu “Leolo / Regie u. Drehb.: Jean-Claude Lauzon. Darst.: Maxime Collin, Ginette Reno, Julien Guiomar, Pierre Bourgault (…)

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