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Ein Herz für Kängurus : Beutelweise Glück in Australien / Chris Barnes

Von aussen betrachtet mögen die Entbehrungen und Strapazen übermäßig hart erscheinen, denen sich der Australier Chris Barns seit vielen Jahren im Outback aussetzt, um durch Autounfälle, Jagd oder anderes Unbill verwaiste Kängurujungtiere zu retten und auf ein Leben in der Wildnis vorzubereiten. Doch wenn man die eng mit einer frühen Liebe zu Tieren und der Natur verbundene Lebensgeschichte des mittlerweile 44jährigen Tierpflegers liest, spürt man rasch die große Faszination, die Kängurus auf ihn ausüben, und das tiefe Mitgefühl mit den bei Unfällen zurückgelassenen Jungtiere, die bei dieser Tierart besonders hilfsbedürftig sind.

Tatsächlich hat Barns in einem Land, in denen man Kängurus nicht selten als lästigen Kollateralschaden des Verkehrs sieht, ja manchmal sogar absichtlich überfährt, bei vielen eine Veränderung in den Köpfen bewirkt. Wurden früher Kängurus nach Unfällen achtlos tot am Straßenrand liegengelassen, schauen jetzt öfter Beteiligte oder Unbeteiligte im Beutel nach, ob sich darin ein Jungtier befindet. Spätestens seit der BBC-Serie „Kangaroo Dundee“ geniesst der ausgesprochen karg und nicht selten einsam lebende Barns, der früher oft gegen behördliche Widerstände und finanzielle Notlagen ankämpfen musste, Kultstatus in Australien. Sein Buch ist nicht nur die Erzählung einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte, sondern vermittelt anschaulich, was Känguruhs so besonders macht: bemerkenswert ist dabei, mit welcher Hingabe Barns die kleinen Tiere von Hand versorgt, in Baumwollbeuteln birgt, ihnen bei Bedarf Körperwärme spendet und versucht, ihnen die Fürsorge und Zuwendung zu geben, die sie brauchen, um irgendwann erwachsen ausgewildert werden zu können. Dabei entbehrt seine Geschichte nicht der Komik: seine immer wiederkehrende Flucht vor dem erwachsenen und muskulösen Roger, der sein Revier verteidigt, zählt dabei zum Running Gag des Buches.

Mittlerweile versorgt Barns die Tiere auf einem 36 Hektar großen Areal, auf dem sie sich frei bewegen können. Das Ziel bleibt stets die Auswilderung, die allerdings bei stark verletzten Tieren oft schwierig bis unmöglich ist. Barnes vermeidet dabei allzu nahen Kontakt zu den Tieren, sobald sie ein gewisses Alter erreicht haben, um ihnen den weg zurück zu erleichtern.

Ein faszinierendes, fesselndes Buch über einen Mann, den seine Liebe zu Tieren zur Berufung geführt hat und zu einem Leben, das oft anstrengend und kräftezehrend ist, Enttäuschungen und Widerstände birgt, aber ganz offensichtlich für einen lange Suchenden zu beglückenden Bestimmung geworden ist.

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