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Dunkels Gesetz : Kriminalroman / Sven Heuchert

So wie sein alter Freund Anheuser war Dunkel früher in der Fremdenlegion. In seinen Erinnerungen immer wieder heimgesucht von Ereignissen aus der Vergangenheit, schlägt er sich ohne große Hoffnungen oder Ambitionen mit Jobs durch Leben. Die meiste Zeit über lebt e in Frankreich. Als Anheuser ihm einen zweimonatigen Job als Wachmann auf dem Gelände eines ehemaligen Bergwerks im Niemandsland an der Grenze zu Belgien vermittelt, sagt Dunkel zu, obwohl er weiß, dass dort vor kurzem die Leiche eines vermissten Jungen gefunden wurde. Zeitgleich schlägt sich im nahen, heruntergekommenen Weiler Altglück der Tankstellenbesitzer und brutale Kleinganove Achim mit Treibstoffverkauf und Reparaturen durch: er erwirtschaftet nur das Notwendige, um sich, seine Gefährtin, eine ehemalige Prostituierte, und deren Tochter durchzubringen. Achim wittert seine große Chance: zusammen mit seinem alten Knastkumpel will er mit dem Geld der halbseidenen Provinzpuffgröße Falco in den Drogenhandel mit Rumänien einsteigen.

Bald schon gibt es Überschneidungen zwischen Dunkels und Achims Wegen. Als der Drogendeal Formen annimmt, hat Dunkel, der auf dem alten Grubengelände in einem Wohnwagen untergekommen ist, bereits eine Spur zum Mörder des Jungen gefunden. Unverhofft kommt er den Geschäften von Achim sehr nach und trifft eine Entscheidung, die dramatische Folgen haben wird.

Sven Heuchert ist ein düsterer, atmosphärisch dichter Thriller gelungen, der mit sauber gezogenem Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Angesiedelt in der tiefsten Proinz, treffen hier ein psychisch versehrter Ex-Fremdenlegionär und durch den sozialen Abstieg und strukturelle Veränderungen skrupellos gewordene Provinzler aufeinander. Heuchert zeichnet dabei ein grau verschleiertes Bild der Region, in der jegliche Hoffnung, jegliche Träume am Faktischen zu scheitern scheinen. Mit Richard Dunkel schafft er dabei einen Protagonisten, mit dem man sich rasch identifiziert, obwohl seine widersprüchlichen Charaktereigenschaften auch widerstrebende Gefühle auslösen. Dabei erinnert der Roman in Stil und Atmosphäre nicht selten an die Bücher von Woodrell, zeichnet er doch ein ähnlich deprimierendes Bild von Menschen am Rande der Gesellschaft, denen jegliche zivilisatorische Firnis abhanden gekommen zu sein scheint.

Ein literarischer Film noir ist so entstanden, den ich gerne empfehle.

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