Die Birken wissen’s noch : Roman / Lars Mytting

So war es mit unserer Geschichte, immer wieder und wieder. Ich erhoffte mir die Wahrheit, fand aber nur Asche. Stand alleine da und musste mir meinen Reim auf schwer zu deutende Zeichen machen.

Der Wald maß nicht mehr als 30 Hektar, war aber dichter bombardiert worden als jedes andere Gebiet an der Somme. In den hektischen Momenten wurde er von sieben Artilleriegranaten pro Sekunde beschossen. In den wenigen Pausen des Bombardements hörte man die Schreie von Hunderten Sterbenden.

Norwegen. Der 24jährige Edvard Hirifjell ist bei seinem Großvater Sverre auf einem einsamen Bauernhof im abgelegenen Gudbrandstal aufgewachsen. Gemeinsam pflanzen sie Kartoffeln und treiben im Frühjahr die Schafe auf höhergelegenen Weiden. Verwandte gibt es nicht mehr: Einar, ein höchst begabter Tischler und der ungeliebte Bruder von Sverre, fiel im Krieg auf der Seite der Alliierten, Sverre, der für dieFeutschen kämpfte und seither als Nazi verschrien ist, überlebte und übernahm den Hof.

An seine 1971 bei einem Unfall in Frankreich ums Leben gekommenen Eltern hat Edvard kaum Erinnerungen: nur der Duft der Mutter und ihre Wärme haben sich tief in sein Gedächtnis gegraben. Das wenige, was er Weiterlesen

Mörderischer Mistral : Ein Provence-Krimi mit Capitaine Roger Blanc / Cay Rademacher

Capitaine Roger Blanc war bisher erfolgreicher Korruptionsermittler in Paris. Jetzt steht er von einem Tag auf den anderen vor den Trümmern seines Lebens: aufgrund seiner ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden und weil er zu vielen einflussreichen Leuten auf die Füße getreten ist, wird er in die provencalische Provinz versetzt und obendrein von seiner Frau verlassen.

Frustriert bezieht er das verfallene Haus seines verstorbenen Erbonkels, eine alte Ölmühle, und tritt seine Arbeit auf dem Revier in Gadet an: über sich mit dem jungen Nkoulou ein misstrauischer, karrierebessesener Chef, an seiner Seite der Weiterlesen

Meinen Hass bekommt ihr nicht: „Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht./ Antoine Leiris

Antoine Leiris, französischer Journalist, ist mit dem 17 Monate alten Sohn Melvin Marvin daheim, als islamistische Attentäter in Paris den Anschlag auf das Bataclan verüben während eines Konzertes, das auch seine Frau Helene besucht. Nach Stunden der Ungewissheit wird klar, dass auch sie unter den 89 Todesopfern ist, Leiris seine geliebte Frau und Melvin seine Mutter verloren hat.

In seiner Trauer und seinem Entsetzen greift Leiris zur einzigen Waffe, die er hat: dem Wort. Auf Facebook veröffentlicht er einen Weiterlesen

Das Böse im Blut : Roman / James Carlos Blake

In den 1840er Jahren wachsen Edward und John Little unter ärmlichen Bedingungen im amerikanischen Mittelwesten auf. Ihr Vater ist äußerst gewalttätig gegenüber der fünfköpfigen Familie, die ausser den beiden Jungs noch aus der jungen Mutter und der Schwester Maggie besteht. In diesem Klima von Gewalt und Unterdrückung wachsen Edward und John zu ebenfalls leicht reizbaren und aggressiven Halbwüchsigen heran, die keinem Streit aus dem Weg gehen. Als die Brutalität des Vaters zu Weiterlesen

Die Macht der Geographie : Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt / Tim Marshall

Wer als politischer und geschichtlich interessierter Zeitgenosse die Gegenwart aufmerksam beobachtet, kann es leicht mit der Angst zu tun bekommen. Nicht zuletzt mit der Ukraine-Krise scheint ein neuer Kalter Krieg zwischen Russland und dem Westen etabliert zu sein. Der Nahe Osten und die Länder des Arabischen Halbmonds kommen nicht zur Ruhe und lassen in Anbetracht destabilisierter Staaten von Irak, Afghanistan und Syrien bis Libyen und dem verstärkten Aufkommen des Daesh (aka sogenannter „Islamischer Staat“) und damit eines verstärkten islamischen Faschismus die allzu euphorisch wahrgenommenen Bewegungen des „Arabischen Frühlings“ in Vergessenheit geraten. Konflikte wie die zwischen den Atommächten Indien und Pakistan bleiben weiter schwelend, das immer stärker werdende China wird mit Sorge von seinen Nachbarn beobachtet und in Afrika scheint es kaum Regionen zu geben, die wirklich Hoffnung machen. Dazu kommt noch Nordkorea mit seiner größenwahnsinnigen Führung und mit der zunehmend im Sommer eisfreien Arktis ein weiterer möglicher Konfliktherd. Wer im seit 75 Jahren friedlichen Westeuropa aufgewachsen und als überzeugter Europäer sozialisiert worden ist, kann es da schon mal mit der Angst zu tun bekommen.

Der britische, mehrfach ausgezeichnete außenpolitische Experte und Journalist Tim Marshall verfolgt mit seinem Buch einen besonderen Ansatz: er erklärt viele der derzeit schwelenden oder Weiterlesen

Der leichteste Fehler : Roman / Lisa Moore

Sie waren unverfroren gewesen. Nichts, was noch kommen würde, würde jemals mit dieser unbekümmerten Hingabe verbunden sein. Jenes altmodische Wort fiel ihm wieder ein: Abenteuer. Das Abenteuer war aus der Welt verschwunden.

Kanada, 1978. Die Aufbruchsstimmung der 1968er ist längst verblasst und einer diffusen Liberalität gewichen. Der Fischfang in der kanadischen Provinz Neufundland liegt am Boden und junge abenteuerlustige Männer lassen sich zu waghalsigen Drogenschmuggelaktionen hinreissen. David Slaney, Sohn aus prekärem Hause, der einst ein Studium begann, ist Mitte Zwanzig, als er aus dem Gefängnis ausbricht, in dem er wegen eines gescheiterten Drogenschmuggels einsaß. Sein Kumpel Hearn, der wegen eines Formfehlers und aufgrund eines guten Anwalts damals frei kam, unterstützt ihn von fern. Zusammen wollen sie nochmal ein großes Ding versuchen und zwei Tonnen Marihuana aus Kolumbien einschmuggeln.

Der erneute Versuch steht Weiterlesen

Nicht mit mir / Per Petterson

Und in der Nacht wurde ich mehrmals wach und schaute in den grauen Himmel, der zwischen den Baumkronen vorbeirauschte. Der Wind fuhr oben in die Äste und erzeugte ein lautes, friedliches Geräusch, und die kühle Luft blies mir ins Gesicht wie ein sanftes Parfum, das ein Junge leicht in sich aufnehmen konnte, das seinen Körper einhüllen konnte, und es kam kein regen in dieser Nacht, und auch kein Schnee, und neben mir lag Jim und schlief völlig lautlos mit Heidekraut im Haar, und ich beugte mich über ihn, aber er war nicht tot, und jedes Mal, wenn ich wieder einschlief, waren wir fünfzehn, und Leben und Schlaf waren gleichermaßen verschwommen, und nichts war in der Welt verkehrt. (S. 136)

Norwegen, 1960er und 1970er Jahre: Sie waren die besten Freunde und verstanden sich ohne viele Worte: Jim, der das Gymnasium besucht hat und bei seiner alleinerziehenden Mutter lebt, und Tommy, der die letzten Jahre seiner Jugend bei einem Pflegevater aufwächst. Tommys Vater, ein kraftstrotzender Müllmann, war seit dem mysteriösen Verschwinden der Mutter gewalttätig und schlug Tommy, seine Schwester und die Zwillingsschwestern, bis Tommy sich Weiterlesen