Penguin Bloom: Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete / Cameron Bloom ; Bradley Trevor Greive

Sie sind eine glückliche Familie, die Blooms aus Australien. Der Fotograf Cameron und die Bäckerin und Krankenschwester Sam haben sich früh kennen- und lieben gelernt, reisten viel zusammen um die Welt, haben irgendwann geheiratet und drei Jungs bekommen. Endlich sind die Jungs groß genug, um an alte Leidenschaften anzuknüpfen und mit ihnen auf eine weite Reise zu gehen. Doch in Thailand passiert das Unglück: Sam Weiterlesen

Treffen sich zwei Moleküle im Labor / Martin Moder. Mit Ill. von Mandy Fischer

Sie haben eine Katze? Schön, denn das sind wunderbare Tiere. Vermutlich sind Sie dann wie etwa zwei Drittel der Menschheit) mit Toxoplasma gondii infiziert. Das ist ein relativ unspektakulärer einzelliger Parasit, der normalerweise Mäuse, Ratten und ähnliche Wirbeltiere als Zwischenwirt und Transportmittel zu seinem Hauptwirt nutzt, der Katze, die er zwingend oral betreten muss und in der er sich munter paart, um sie hernach im Katzenkot zu verlassen. Infiziert haben Sie sich gegebenenfalls vermutlich über ungewaschenes Gemüse aus dem Schrebergarten oder ungekochtes Fleisch. Bis auf vorübergehende Symptome merken Sie nichts davon, dass der Erreger sich in Muskeln und Gehirn einnistet.

Doch halt! Eine Veränderung gibt es doch: sind Sie Weiterlesen

Mumien in Palermo : Als Kriminalbiologe an den dunkelsten Orten der Welt / Mark Benecke

Mark Benecke zählt zu den bekanntesten und weltweit profiliertesten Kriminalbiologen der Welt. Zusätzlich zeichnet ihn aus, dass er über seine für manche Gemüter möglicherweise abstoßend erscheinende Arbeit fesseln und anschaulich zu berichten weiß, ohne in Sensationshascherei zu verfallen. Im Gegenteil: man spürt, dass Beneckes Motivation in erster Linie die Neugier ist, einen Fall oder ein Rätsel aufzuklären – ein Beweggrund, für den er trotz mancher augenscheinlich logischer Erklärung genauer hinzuschauen bereit ist, als es manchen vielleicht lieb ist.

Das vorliegende Buch widmet sich auch – aber nicht nur – Mumien. Benecke, der sich stets um Unvoreingenommenheit bemüht, analysiert den wackeligen Schwarzweißfilm aus Roswell (USA), der angeblich eine Alien-Sektion zeigt, ebenso akribisch wie die geschickt vorgetäuschten, aber nicht einfach zu entlarvenden Blutwunder der Therese Neumann (Konnersreuth) aus den 1910er bis 1950er Jahren oder das sogenannte Walpurgis-Öl, dass aus den Gebeinen der Heiligen Walpurga tropft und sich am Ende als simples Leitungswasser entpuppt und Benecke zur alternativen Empfehlung des wesentlich gehaltvolleren Eichstädter Klosterlikörs veranlasst.

Ebenso gründlich und analytisch überzeugend geht er den seit 200 Jahren immer wieder in Berichten auftauchenden spontanen Selbstentzündungen nach und entschlüsselt überzeugend die Kausalkette, die nach seiner Analyse zu dem beschriebenen Bild an den Fundstätten der Leichen führt. Auf die Spur führt ihn dabei auch die überlebte Selbstentzündung einer Frau, die letztlich über ein am Meer aufgesammeltes und in die Tasche gestecktes Stück Phosphor zurückzuführen war. Dochteffekte und bestimmte Ausgangskonstellationen, die Benecke auch im Versuch nachweisen konnte, führen dabei zu den beschrieben Fällen. Das Thema nimmt der Autor auch zum Anlass, sich besonders schweren Fällen von angeblichen Selbstentzündungen bei Babys zu widmen, die sich als Folgeerscheinung von Münchhausen-bei-Proxy-Syndromen der um Aufmerksamkeit heischenden Mütter heraustellten.

Im umfangreichen letzten Kapitel widmet sich Benecke endlich menschlichen Mumien und hierbei insbesondere den Mumien aus dem Kapuzinerkloster in Palermo: hier zieht der Kriminalbiologe, der in den Katakomben mit Unterstützung eines Archäologen forschen konnte, alle Register rund enthüllt nicht nur, aus welchen spezifischen Gründen manche der Mumien so überaus gut erhalten sind, sondern führt uns an Beispielen auch an die Bedeutung forensischer Biologie für die Erforschung von Seuchen und Infektionskrankheiten ein.

Wer vor den zum Teil drastischen Aufnahmen im Buch nicht zurückschreckt, wird durch die Lektüre eines äußerst anregenden und spannenden Buches über kriminalbiologische Methoden und Instrumente belohnt, das von einem wachen, sauber analytisch arbeitenden und seinen Fällen mit möglichst viel wissenschaftlicher Unvoreingenommenheit begegnendem Autor geschrieben wurde.

Der Mann, der einen Baum fällte und alles über Holz lernte / Robert Penn

Jeder dieser Gegenstände sprach für sich vom Geschick und Idealismus der Kunsthandwerker und Handwerker, die sie geschaffen hatten. Das Wissen dieser Menachen deutete auf eine Zeit hin, zu der das Verhältnis zwischen Mensch und Natur noch etwas sensibler und enger war. Gemeinsam sprachen die Gegenstände von der langen und kreativen Beziehung zwischen Menschheit und Esche, von einer Übereinkunft, die sich über Jahrtausende hinweg bewährt hatte und von einer Kultur an die andere weitergegeben worden war. Ich hatte eine Esche gefällt und das Beste aus ihrem Holz gemacht. Was könnte einfacher sein? Es war ein tief befriedigendes Unterfangen gewesen, das mich in einer sich ständig verändernden Welt fest an einem Ort verwurzelt hatte. (S. 247).

Der britische Autor und Journalist Robert Penn, einigen vielleicht bereits bekannt durch seinen fahrradleidenschaftlichen Bestseller „Vom Glück auf zwei Rädern“, lebt mit seiner Familie fern großer Städte in einer waldigen Gegend von Wales, hat zwei Hunde und eine Menge Äxte. Seit zehn Jahren lebt er auf dem Land und hat mit der Zeit auch gelernt, den zum Grundstück gehörigen Wald naturnah zu nutzen und wieder zu einer von Lichtungen durchzogenen, artenreichen Oase zu machen. Er lernt die Arbeit im Wald zu schätzen, die seinen Körper auf besondere Art fordert:

Was mich jedoch am meisten und längsten fesselt, ist die körperliche Aufrichtigkeit des Aktes selbst – einen Klumpen Stahl mit achtzig Stundenkilometern durch die Luft zu schwingen und ihn in einem Holzklotz zu versenken. Wenn ich ein großes, knotiges Stück vom unteren Stamm einer Eiche abschlagen will, die Schneide der Axt zurückprallt und nur eine kaum sichtbare Kerbe hinterlässt, flutet der gescheiterte Versuch über den Axtstiel aus Eschenholz in meine Arme bi sind meine Schultern hinein zurück. Dann spüre ich die Kraft eines Baumes, der sich dem Willen unzähliger Stürme widersetzt hat. Durchdringt die Axt andererseits die Oberfläche eines Eschenblocks, fahren die Wangen des Axtkörpers durch die Spalte im Holz wie Wasser, das an Felsen brandet, und fallen zu beiden Seiten des Hackklotzes zwei cremig weiße Holzstücke hinunter – dann wird mein ganzer Körper von dem unvergleichlichen Gefühl erfüllt, etwas vollbracht zu haben. […] Als scheinbare banale Alltagstätigkeit ist das Hacken von Eschenholz einfach unschlagbar. (S. 55-56)

Als er im Laufe der Jahre auch Eschen freischneidet und ihren Wuchs bewundert, erinnert er sich Weiterlesen

Eichhörnchen ganz nah: Die Geschichte einer Freundschaft / Heike Adam ; Rainer Kauffelt

Wer kennt das nicht: man hört ein Eichhörnchen, sieht es vielleicht gar und bleibt abrupt stehen in der Hoffnung, es eine Weile beobachten zu können. Für Heike Adam und Rainer Kauffelt, die vor einiger Zeit ein Häuschen am Sulzbach im Taunus bezogen haben, kam es noch besser: sie haben einen Garten, in dem Eichhörnchen wohnen und sich mit ihrem Nachwuchs regelmäßig blicken lassen. Für die beiden Autoren bot sich damit die Gelegenheit, die niedlichen, geschäftigen Tierchen von ganz nah zu beobachten und über ihr Leben mit Wort und Bild bald auf Weiterlesen

Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur / Andrea Wulf

Humboldt trug die Daten zusammen, die er brauchte, um die Natur als einheitliches Ganzes zu begreifen. Wenn sie ein Netz des Lebens war, reichte es nicht, sie mit den Augen eines Botanikers, eines Geologen oder einen Zoologen zu betrachten. Er benötigte Informationen von überall, sagte Humboldt, weil „Beobachtungen aus den verschiedenen Erdstrichen miteinander verglichen werden“ müssen. Er trug so viele Ergebnisse zusammen und stellte so viele Fragen, dass einige Leute ihn für dumm hielten, weil er sich nach „Selbstverständlichkeiten“ erkundigte. Einer der Führer berichtete, Humboldts Jackentaschen waren wie die eines kleinen Jungen – vollgestopft mit Pflanzen, Steinen und Papierschnipseln. Nichts war zu klein oder zu unbedeutend, um nicht untersucht zu werden. Alles hatte seinen Platz in dem großen Teppich, den das Leben knüpfte. (S. 125)

Die Bedeutung Alexander von Humboldts für unser heutiges Verständnis der Natur kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Der Kosmopolit Humboldt, der vielleicht einer der letzten Universalgelehrten und zu seiner Zeit weltberühmt und global vernetzt war, ist trotzdem heutzutage weitgehend vergessen. Die 1972 in Indien geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Großbritannien lebende Kulturwissenschaftlerin Andrea Wulf legt mit ihrem Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ mehr als eine Biografie vor.

Ihr in fünf Teile gegliedertes Buch folgt den Lebensspuren Humboldts, beleuchtet dabei seine frühe Faszination für Weiterlesen

Deutschlands wilde Wölfe / Axel Gomille

Vor über hundert Jahren wurden die letzten Wölfe in Deutschland erlegt. Bis in die 1990er Jahre tauchten die faszinierenden Raubtiere nur noch selten in unseren durch die Agrarindustrie durchstrukturierten Landschaften auf. Wenn überhaupt, gab es Wölfe allenfalls in Zoos und Wildparks zu sehen, wo sie aufgrund der räumlichen Enge ein zum Teil vollkommen anderes Sozialverhalten an den Tag legen als in freier Wildbahn. Doch um das Jahr 2000 herum begann sich das zu ändern: Wölfe wanderten aus dem Osten zu, erster Nachwuchs stellte sich ein.

Heute leben in Deutschland etwa 31 Wolfsrudel, acht Paare und dazu ein paar Einzelgänger: insgesamt vermutlich über 300 Tiere. Insgesamt wäre in Deutschland Lebensraum genug für etwa 440 Wolfrudel. Sofern man sie lässt und ihnen geeignete Gebiete nicht streitig macht, können Wölfe recht unauffällig neben uns Menschen leben. Der Fotograf und ZDF-Redakteur Axel Gomille geht in Weiterlesen