Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur / Andrea Wulf

Humboldt trug die Daten zusammen, die er brauchte, um die Natur als einheitliches Ganzes zu begreifen. Wenn sie ein Netz des Lebens war, reichte es nicht, sie mit den Augen eines Botanikers, eines Geologen oder einen Zoologen zu betrachten. Er benötigte Informationen von überall, sagte Humboldt, weil „Beobachtungen aus den verschiedenen Erdstrichen miteinander verglichen werden“ müssen. Er trug so viele Ergebnisse zusammen und stellte so viele Fragen, dass einige Leute ihn für dumm hielten, weil er sich nach „Selbstverständlichkeiten“ erkundigte. Einer der Führer berichtete, Humboldts Jackentaschen waren wie die eines kleinen Jungen – vollgestopft mit Pflanzen, Steinen und Papierschnipseln. Nichts war zu klein oder zu unbedeutend, um nicht untersucht zu werden. Alles hatte seinen Platz in dem großen Teppich, den das Leben knüpfte. (S. 125)

Die Bedeutung Alexander von Humboldts für unser heutiges Verständnis der Natur kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Der Kosmopolit Humboldt, der vielleicht einer der letzten Universalgelehrten und zu seiner Zeit weltberühmt und global vernetzt war, ist trotzdem heutzutage weitgehend vergessen. Die 1972 in Indien geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Großbritannien lebende Kulturwissenschaftlerin Andrea Wulf legt mit ihrem Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ mehr als eine Biografie vor.

Ihr in fünf Teile gegliedertes Buch folgt den Lebensspuren Humboldts, beleuchtet dabei seine frühe Faszination für Weiterlesen

Assholes : zum Beispiel Donald Trump / Aaron James

Verfolgt man den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, dieses Ringen um die Macht in einem der mächtigsten Länder der Erde, kann einem Angst und Bange werden. Wie ist es möglich, dass Demagogen wie Donald Trump und Ted Cruz es schaffen, für ihre „Positionen“ so viel Aufmerksamkeit zu gewinnen? Wie ist es möglich, dass ein Mann wie Trump, der keinerlei erkennbares Programm verfolgt als dass, seiner übersteigerten Selbstliebe das Amt zu verschaffen, dass ihm seiner Meinung nach zusteht, derart die Massen begeistern kann. Gegenwärtig müssen wir ja sogar erwarten, dass er das Land auch dann noch mit seinen Aussagen ins Chaos stürzen kann, wenn er nicht gewählt wird – und können nur hoffen, dass Clinton in diesem Fall die Kluft in diesem tief gespalteten Land zumindest ansatzweise kitten kann.

Aaron James analysiert ebenso so scharfzüngig wie knapp Klug Trumps Erfolg, der befördert wird von Arroganz und einem überbordenden Zynismus. Er wechselt dabei die Seiten, zeigt auf, was Trump für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung so attraktiv macht, welche Weiterlesen

Meinen Hass bekommt ihr nicht: „Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht./ Antoine Leiris

Antoine Leiris, französischer Journalist, ist mit dem 17 Monate alten Sohn Melvin Marvin daheim, als islamistische Attentäter in Paris den Anschlag auf das Bataclan verüben während eines Konzertes, das auch seine Frau Helene besucht. Nach Stunden der Ungewissheit wird klar, dass auch sie unter den 89 Todesopfern ist, Leiris seine geliebte Frau und Melvin seine Mutter verloren hat.

In seiner Trauer und seinem Entsetzen greift Leiris zur einzigen Waffe, die er hat: dem Wort. Auf Facebook veröffentlicht er einen Weiterlesen

Atlas der Länder, die es nicht gibt : ein Kompedium über 50 nicht anerkannte und weithin unbekannte Staaten / Nick Middleton

Hätten Sie Sotschi, Austragungsort der Winterspiele 2014 in Zirkassien verortet? Haben Sie schon mal vom immerhin mal 300 Einwohner zählenden Land Moresnet gehört? Wussten Sie, dass das Staatsoberhaupt von Seborga bis 2009 „Seine Ungeheuerlichkeit“ Giorgio Carbone, Prinz auf Lebenszeit war? Und das es vielleicht schon bald ein karibisches Land namens Moskitia gibt? Nein? Aber sicher haben Sie schon von Nagalim gehört, einem Land im Norden Indiens, dass nur einen Tag unabhängig war, oder?

Zugegeben: die Länder, die Nick Middleton in diesem Kompendium zusammenträgt, kommen bis Weiterlesen

Eine Geschichte Deutschlands in 100 Bauwerken / Maríon Bayer

Ich war ja zunächst etwas skeptisch ob des tatsächlichen Informationsgehalts eines Buches, dass die Geschichte Deutschlands erzählen will mit Hilfe von 100 Gebäuden. Doch kaum hatte ich mit der Lektüre begonnen, war ich angenehm überrascht. Marion Bayer hat mit großer Sorgfalt aus der Fülle potentiell interessanter Bauwerke Beispiele ausgewählt, die auf indirekte oder direkte Weise mit einem wesentlichen Teil deutscher (und damit oft auch europäischer) Geschichte verbunden sind.

Natürlich sind eine ganze Menge Gebäude dabei, die sehr bekannt sind, etwa das Westwerk des Naumburger Dom, den Kölner Dom, das Brandenburger Tor in Berlin, das Dürer-Haus in Nürnberg oder die Fuggerei in Augsburg. Auch das Nationaltheater in Weimar und den Reichstag hätte man erwartet. Aber Bayer stellt auch überraschende Bauwerke vor, die sich bei näherer Betrachtung als ebenso guter Fokus für ein Segment der deutschen Geschichte und Kulturgeschichte erweisen: darunter finden sich das Weiterlesen

50 Erdschätze, die unsere Welt veränderten / Eric Chaline

Ohne die zahlreichen Substanzen, die man auf und in unserer Erdkruste findet, hätten es der Mensch und die von ihm errichteten Zivilisationen wohl kaum so weit geschafft. Eric Chaline, ein französischer Soziologe, Journalist und Autor mit den Schwerpunkten Geschichte, Philosophie und Religion, beschäftigt sich nach „50 Tiere, die unsere Welt veränderten“ nun mit Rohstoffen und Substanzen, ohne die die Geschichte ganz sicher anders verlaufen wäre.

Naheliegend ist natürlich, dass er dabei neben Weiterlesen

Die Macht der Geographie : Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt / Tim Marshall

Wer als politischer und geschichtlich interessierter Zeitgenosse die Gegenwart aufmerksam beobachtet, kann es leicht mit der Angst zu tun bekommen. Nicht zuletzt mit der Ukraine-Krise scheint ein neuer Kalter Krieg zwischen Russland und dem Westen etabliert zu sein. Der Nahe Osten und die Länder des Arabischen Halbmonds kommen nicht zur Ruhe und lassen in Anbetracht destabilisierter Staaten von Irak, Afghanistan und Syrien bis Libyen und dem verstärkten Aufkommen des Daesh (aka sogenannter „Islamischer Staat“) und damit eines verstärkten islamischen Faschismus die allzu euphorisch wahrgenommenen Bewegungen des „Arabischen Frühlings“ in Vergessenheit geraten. Konflikte wie die zwischen den Atommächten Indien und Pakistan bleiben weiter schwelend, das immer stärker werdende China wird mit Sorge von seinen Nachbarn beobachtet und in Afrika scheint es kaum Regionen zu geben, die wirklich Hoffnung machen. Dazu kommt noch Nordkorea mit seiner größenwahnsinnigen Führung und mit der zunehmend im Sommer eisfreien Arktis ein weiterer möglicher Konfliktherd. Wer im seit 75 Jahren friedlichen Westeuropa aufgewachsen und als überzeugter Europäer sozialisiert worden ist, kann es da schon mal mit der Angst zu tun bekommen.

Der britische, mehrfach ausgezeichnete außenpolitische Experte und Journalist Tim Marshall verfolgt mit seinem Buch einen besonderen Ansatz: er erklärt viele der derzeit schwelenden oder Weiterlesen