Die Welt aus den Angeln : Eine Geschichte der kleinen Eiszeit von 1570-1700 sowie der Entstehung der modernen Welt, verbunden mit einigen Überlegungen zum Klima der Gegenwart / Philipp Blom

Damit ergab sich ein Dilemma für die Gesellschaften des Westens, das sie bis heute nicht überwunden haben und ganz besonders für die gebildete Mittelschicht, die sich noch heute als Motor des sozialen Gefüges begreift. Ihr moralischer Anspruch gründet sich auf die Idee von Demokratie und universellen Menschenrechten und ist der Aufklärung verpflichtet. Ihr wirtschaftlicher Erfolg und ihr Wohlstand aber gründen sich auf ein anderes Erbe des 17. Jahrhunderts: Wachstum, das auf Ausbeutung beruht, auf einer Ausbeutung, die sich niemals mit den Ansprüchen der Aufklärung vereinbaren lässt. (S. 238)

Bei all der Feierei um die Reformation und den meines Erachtens durchaus überschätzten Martin Luther konnte man ja leicht den Eindruck gewinnen, unsere Moderne Zeit mit ihren Freiheiten und Errungenschaften gründe im Jahr 1517. Dabei liegen die Ursprünge von Freiheit, Menschenrechten, technischem und landwirtschaftlichem Fortschritt und der fortschreitenden Globalisierung mit all ihren Licht- und Schattenseiten vor allem in jener Zeit zwischen 1570 und 1700 begründet, die heute als Weiterlesen

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Die Stadt des Affengottes : Eine unbekannte Zivilisation, ein mysteriöser Fluch, eine wahre Geschichte / Douglas Preston

Keine Kultur lebt ewig. Alle streben sie ihrer Zerstörung zu, eine nach der anderen, wie die Wellen eines Meeres, die sich am Strand brechen. Keine Kultur entgeht diesem Schicksal – auch unsere nicht. (S. 354)

Honduras bringt man im Bezug auf Archäologie und Frühgeschichte nicht erst seit dem Fund von Copan am ehesten noch mit den Maya zusammen. Allerdings gibt es schon seit Jahrhunderten einen Mythos um die sagenhafte sogenannte „Ciudad Blanca“, die „Weisse Stadt“, die im wenig erforschten Bereich des Mosquitia vermutet wurde und etliche Forscher und Glücksritter angezogen hat. Nach dem Mythos, der sich aufgrund fehlender schriftlicher Zeugnisse nicht belegen lässt, ist diese bisher unbekannte Zivilisation plötzlich zwischen 1400-1500 untergegangen.

Douglas Preston, der mir bisher hauptsächlich als Autor von Thrillern bekannt war, erhielt die Gelegenheit, an Expeditionen zur Erforschung des Mythos teilzunehmen, die seit den 1990er Jahren vor allem vom Filmemacher Steve Elkins vorangetrieben wurden. Beflügelt durch die neuen technischen Möglichkeiten der Vermessung über LIDAR (light detection and ranging) organisiert Elkins eine Weiterlesen

Früher war alles schlechter: Warum es uns trotz Kriegen, Krankheiten und Katastrophen immer besser geht / Guido Mingels

Wenn man sich die Nachrichten anguckt, könnte man den Eindruck bekommen, dass sich alles, aber auch wirklich alles zum Schlechten gewendet hat. Tatsächlich aber, konstatiert der SPIEGEL-Autor, geht es uns in vielen essentiellen Dingen so gut wie noch nie: in insgesamt 52 Datenblättern, ergänzt von erläuternden Kommentaren, entlarvt er viele der derzeit kolportierten Ängste und Sorgen als unbegründet. Die Bandbreite reicht von der tatsächlich weltweit gestiegenen Lebenserwartung über die angeblich drohende, tatsächlich am Ende des Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Erliegen kommende Bevölkerungsexplosion bis hin zum abnehmenden Weiterlesen

Wörterbuch des besorgten Bürgers

Donald Trump und all die anderen an die Macht gespülten Populisten wie Orban, Putin und Erdogan sind letztlich Ausdruck eines Diskussionsklimas, das zumindest Teile der politischen Öffentlichkeit erfasst hat: da werden munter Bedrohungsszenarien erfunden oder tatsächliche Mißstände über alle Maßstäbe aufgebauscht, um Ängste zu schüren und dann schnell mit vermeintlichen Lösungsvorschlägen zur Stelle zu sein, deren Schlichtheit im diametralen Gegensatz zur Komplexität der tatsächlichen Probleme stehen. Verschwörungstheorien machen die Runde. Kennzeichnend für die so agierenden besorgten Bürger ist, dass auch die Schuldigen schnell gefunden sind – mal in den sowieso natürlich korrupten Politikern, mal in den Asylbewerbern oder den angeblich nicht frei agierenden Medien, die gerne mal als „Lügenpresse“ oder „Mainstreammedien“ bezeichnet werden.

Das vorliegende Wörterbuch führt durch den Weiterlesen

Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur / Andrea Wulf

Humboldt trug die Daten zusammen, die er brauchte, um die Natur als einheitliches Ganzes zu begreifen. Wenn sie ein Netz des Lebens war, reichte es nicht, sie mit den Augen eines Botanikers, eines Geologen oder einen Zoologen zu betrachten. Er benötigte Informationen von überall, sagte Humboldt, weil „Beobachtungen aus den verschiedenen Erdstrichen miteinander verglichen werden“ müssen. Er trug so viele Ergebnisse zusammen und stellte so viele Fragen, dass einige Leute ihn für dumm hielten, weil er sich nach „Selbstverständlichkeiten“ erkundigte. Einer der Führer berichtete, Humboldts Jackentaschen waren wie die eines kleinen Jungen – vollgestopft mit Pflanzen, Steinen und Papierschnipseln. Nichts war zu klein oder zu unbedeutend, um nicht untersucht zu werden. Alles hatte seinen Platz in dem großen Teppich, den das Leben knüpfte. (S. 125)

Die Bedeutung Alexander von Humboldts für unser heutiges Verständnis der Natur kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Der Kosmopolit Humboldt, der vielleicht einer der letzten Universalgelehrten und zu seiner Zeit weltberühmt und global vernetzt war, ist trotzdem heutzutage weitgehend vergessen. Die 1972 in Indien geborene, in Deutschland aufgewachsene und in Großbritannien lebende Kulturwissenschaftlerin Andrea Wulf legt mit ihrem Buch „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“ mehr als eine Biografie vor.

Ihr in fünf Teile gegliedertes Buch folgt den Lebensspuren Humboldts, beleuchtet dabei seine frühe Faszination für Weiterlesen

Assholes : zum Beispiel Donald Trump / Aaron James

Verfolgt man den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf, dieses Ringen um die Macht in einem der mächtigsten Länder der Erde, kann einem Angst und Bange werden. Wie ist es möglich, dass Demagogen wie Donald Trump und Ted Cruz es schaffen, für ihre „Positionen“ so viel Aufmerksamkeit zu gewinnen? Wie ist es möglich, dass ein Mann wie Trump, der keinerlei erkennbares Programm verfolgt als dass, seiner übersteigerten Selbstliebe das Amt zu verschaffen, dass ihm seiner Meinung nach zusteht, derart die Massen begeistern kann. Gegenwärtig müssen wir ja sogar erwarten, dass er das Land auch dann noch mit seinen Aussagen ins Chaos stürzen kann, wenn er nicht gewählt wird – und können nur hoffen, dass Clinton in diesem Fall die Kluft in diesem tief gespalteten Land zumindest ansatzweise kitten kann.

Aaron James analysiert ebenso so scharfzüngig wie knapp Klug Trumps Erfolg, der befördert wird von Arroganz und einem überbordenden Zynismus. Er wechselt dabei die Seiten, zeigt auf, was Trump für einen wesentlichen Teil der Bevölkerung so attraktiv macht, welche Weiterlesen

Meinen Hass bekommt ihr nicht: „Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht./ Antoine Leiris

Antoine Leiris, französischer Journalist, ist mit dem 17 Monate alten Sohn Melvin Marvin daheim, als islamistische Attentäter in Paris den Anschlag auf das Bataclan verüben während eines Konzertes, das auch seine Frau Helene besucht. Nach Stunden der Ungewissheit wird klar, dass auch sie unter den 89 Todesopfern ist, Leiris seine geliebte Frau und Melvin seine Mutter verloren hat.

In seiner Trauer und seinem Entsetzen greift Leiris zur einzigen Waffe, die er hat: dem Wort. Auf Facebook veröffentlicht er einen Weiterlesen