Kann mir bitte jemand das Wasser reichen? Eine kurze Geschichte der Arroganz / Ari Turunen

Arroganz gibt es vermutlich, seit es Menschen gibt – und man darf sicher davon ausgehen, dass es schon unter Faustkeilspezialisten welche gab, die so von ihrer Arbeit eingenommen waren, dass sie keine Kritik duldeten – bis ihr falsch bearbeiteter Faustkeil im Einsatz abbrach und der Säbelzahntiger die Oberhand gewann.

Der finnische Wissenschaftsjournalist Ari Turunen geht in seiner kurzen Geschichte der Arroganz zahllosen historisch verbürgten Fällen von der Antike bis heute nach, deren Bandbreite Politik, Wirtschaft und Gesellschaft umfasst. Historische Potentaten wie Dschingis Khan oder Timur Lenk kommen ebenso vor wie Weiterlesen

Alice im Wunderland. Alice hinter den Spiegeln / Lewis Carroll ; Floor Rieder

In ein Wunderland versetzt,
Durch die Tage träumend hin,
Durch die Sommer träumend jetzt,

Eingewiegt am Ufersaum –
Leis auf der Fahrt im goldnen Strom –
Leben: Bist du nicht nur Traum?

Die Geschichte von Alice im Wunderland ist hinlänglich bekannt: das Mädchen verliert sich, während seine ältere Schwester ihm vorliest, in seiner bizarren, Weiterlesen

Die Buchspringer / Mechthild Gläser

Das Buch als Parallelwelt ist ja schon öfter Thema im Roman gewesen – am gelungensten vielleicht in den Thursday-Next-Romanen von Jasper Fforde, die ich hier unlängst vorgestellt habe. Mechthild Gläser widmet sich mit „Die Buchspringer“ der gleichen Fantasie: ihre protagonistin Any verbringt widerwillig mit ihrer Mutter die Ferien auf der fiktiven abgelegenen schottischen Insel Stormsay.

Zu ihrem Erstaunen erfährt Amy, dass sie einer Familie entstammt, die seit vielen Generationen fähig ist, in Bücher zu „springen“ und durch die Welt der Literatur zu Weiterlesen

Über den Winter : Roman / Rolf Lappert

Eine Weile stand er da und sah auf das helle Rechteck, das sich vom Rest der Wand abhob, hörte das leise Knarren des Parkettbodens im Wohnzimmer und das unendlich weit entfernte Geräusch der Welt vor den Fenstern. Er meinte das Gewicht des Gebäudes auf sich zu spüren, das Gewicht all der vergeblichen Worte, die darin gefallen waren, die Last der enttäuschten Hoffnungen, das schwerwiegende Glück, das am Ende des Tages so leicht war, dass es verflog. Er fühlte die Anwesenheit seines Vaters, der über ihm am Küchentisch saß und mit einem Bleistift sorgfältig kleine Buchstaben in Quadrate schrieb und gegen das Vergessen ankämpfte, indem er sich an Surinam erinnerte, obwohl er nie dort gewesen war, und an Maniok, das er nie gegessen hatte. Während er im Türrahmen stand, dem angeblich sichersten Ort beim Einsturz eines Hauses, drückte das riesige Dach auf ihn, und jeder Balken war ein falscher Entschluss, jeder Ziegel ein nicht getaner Schritt ins Freie. (S. 356)

Als Lennard Salm, weltweit erfolgreicher Konzeptkünstler, vom Tod seiner älteren Schwester erfährt, reist er fast widerwillig nach Hamburg zu seiner Familie, mit der er den Kontakt so weit es ging über viele Jahre auf das Notwendigste beschränkt hat. Doch statt rasch wieder in das eigene Leben zurückkehren zu können, verliert er Weiterlesen