Penguin Bloom: Der kleine Vogel, der unsere Familie rettete / Cameron Bloom ; Bradley Trevor Greive

Sie sind eine glückliche Familie, die Blooms aus Australien. Der Fotograf Cameron und die Bäckerin und Krankenschwester Sam haben sich früh kennen- und lieben gelernt, reisten viel zusammen um die Welt, haben irgendwann geheiratet und drei Jungs bekommen. Endlich sind die Jungs groß genug, um an alte Leidenschaften anzuknüpfen und mit ihnen auf eine weite Reise zu gehen. Doch in Thailand passiert das Unglück: Sam Weiterlesen

Nichts bleibt! : Roman / Willi Achten

Vielleicht besteht der Kern des Lebens, der schöne Kern, aus solchen Momenten der Nähe, des Anvertrauens zwischen zwei Menschen. Wahrscheinlich gibt es nicht mehr, und es rettet uns vor dem, was dort draußen auf uns wartet, das in unser Leben schlägt wie ein Sturm, der in die Bäume fährt. Er knickt und fällt sie, so wie auch wir fallen, und wenn wir brechen, stehen nicht mehr auf. (S. 92)

Franz Matthys, ein Mann in mittleren Jahren, lebt mit seinem rüstigen Vater, einem ehemaligen Bäcker, und seinem Sohn abgelegen im Wald. Er ist Kriegsfotograf und bekam einen bedeutenden Preis für das Foto von einer Steinigung. Doch glücklich ist Franz nicht: er zweifelt an seiner Arbeit, empfindet Schuld und wird von den erlebten schrecklichen Momenten im Schlaf verfolgt. Der Rückzug in die unaufgeregte Abgeschiedenheit verschafft Ruhe, und insbesondere der Sohn entwickelt eine innige Beziehung zum Großvater, der ihn in die Taubenzucht einführt. Franz selbst macht sich Hoffnungen auf eine neue Liebe zu Karen.

Auf dem Rückweg nahm sie meine Hand. Das Gras stach in die Kniekehlen. Unter den Sohlen brach Löwenzahn. Sie strich mit dem Daumen über meinen Handballen. Es war dunkel, bevor wie den Wald erreichten. Die Bäume standen wie Schattenrisse im Nachtblau. Der Wald ist in der Nacht ein anderer als am Tag. Auch wir werden andere, wenn wir in die Nacht gehen. Manchmal werden wir wahrer. Es gab keine Hast. Es war zuerst der Duft ihres Atems, ehe die Lippen sich berührten und später ausgestreckt im Gras der Taumel begann und schließlich dieses lange Fallen am Ende. (S. 114)

Doch die Schatten der Vergangenheit lassen ihn nicht los. Als sein Vater nachts im Wald von Weiterlesen

El Olivo – Der Olivenbaum / Regie: Icíar Bollaín. Drehb.: Paul Laverty. Schauspieler: Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs […]

Während der Finanzkrise sah sich mancher spanische Olivenbauer gezwungen, ale Bäume ins Ausland an solvente Firmen zu verkaufen. So ging es auch der Familie der jungen Anna: auf Betreiben ihres Vaters verkauften sie für 30.000 € gegen den Widerstand von Ramón, Annas Großvater, den fast 2000 Jahre alten knorrigen Olivenbaum, auf dem Anna schon als Kind gespielt hat. Seitdem schlägt sich die Familie, die in ein später Plete gegangenen Restaurant investiert hatte und weiterhin Olivenanbau betreibt, zusätzlich mühsam mit Einnahmen aus der Massenaufzucht von Hühnern durch. Anna ist mit ihrem Vater zerstritten, Annas Onkel Alcachofa hat nicht nur seine Spedition veroren, sondern auch seine Frau Estrella. Ramón selbst, der Patriarch der Familie, spricht nicht mehr, seit der Olivenbaum verkauft wurde.

Anna ist der festen Überzeugung, dass der Verkauf des Baumes am Unglück ihrer Familie schuld ist. Als es Ramón immer schlechter geht, fasst Anna einen Entschluss: sie will Weiterlesen

Ente gut! ; Mädchen allein zu Haus / Regie: Norbert Lechner. Darst.: Lisa Wihstutz, Linda Anh Dang, Lynn Dortschack […]

Halle an der Saale. Die 11jährige Linh hat plötzlich große Verantwortung. Da ihre Mutter für unbestimmte Zeit nach Vietnam reisen muss, um ihre schwerkranke Oma zu besuchen, muss Linh auf ihre kleine Schwester Tien aufpassen, nebenbei den Imbiss der Mutter betreuen und dabei aufpassen, dass das Jugendamt nichts merkt.

Leider kommt die Weiterlesen

Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück / Regie: Matt Ross. Darst.: Viggo Mortensen, Steve Zahn, Frank Langella (u.a.)

Vor Jahren sind Ben und Leslie, zutiefst deprimiert vom American Way of Life und dem Kapitalismus, in die abgelegene Wildnis im Nordwesten der USA gezogen, wo sie ihren sechs Kindern mittels hartem mentalem und körperlichem Training, Philosophie und den Idealen linker Politik auf das Leben vorbereiten: täglich wird hart im Wald das Überleben trainiert, Yoga gemacht, meditiert und im Heimunterricht schulisches Wissen vermittelt. Statt Weihnachten gibt es den Noam-Chomsky-Day, Tiere werden selbst erlegt, die Bill of Rights auswendig gelernt. Man diskutiert über Marxismus und redet auch vor den Kindern offen über Sexualität.

Als Leslie, die an einer bipolaren Störung leidet und bereits seit einigen Monaten Weiterlesen

Leolo / Regie u. Drehb.: Jean-Claude Lauzon. Darst.: Maxime Collin, Ginette Reno, Julien Guiomar, Pierre Bourgault (…)

Weil ich träume bin ich nicht.
Denn wenn ich träume bin ich nicht verrückt.
Weil ich mich meinen Träumen überlasse in der Nacht.
Bevor mich der Tag empfängt.
Weil ich nicht liebe.
Weil ich Angst habe zu lieben.
Ich träume nicht mehr.
Ich träume nicht mehr.“. (Filmzitat)

Montreal. Der 14jährige Leo Lauzon lebt mit seiner Familie in armen, beengten und bedrückenden Verhältnissen, umgeben von Gewalt, sinnlos erscheinendem Alltag und offenbar wahnsinnigen Verwandten. Leo mag sich nicht an das Erwachsenenleben gewöhnen und flüchtet in die Fantasie, in Tagträume: er stellt sich vor, nicht von seinem Vater gezeugt worden zu sein, sondern durch Weiterlesen

Antonias Welt / Regie und Drehb.: Marleen Gorris. Darst.: Willeke van Ammelrooy, Els Dottermans, Dora van der Groen […].

Ein Dorf in den Niederlanden nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Antonia kehrt mit fast vierzig Jahren zusammen mit ihrer Tochter Danielle nach zwanzig Jahren Anwesenheit zurück in ihre Heimat, um ihre Mutter zu beerdigen, die nicht ohne zahllose Flüche auf ihren Ehemann verstorben ist. Im Dorf löst Antonias Rückkehr Unmut und Sticheleien aus, da sie als „schwarzes Schaf“ betrachtet wird. Doch die mutige, selbständige, ganz und gar nicht gottesfürchtige , redegewandte Antonia lässt sich davon nicht beirren, baut sich mit ihrer Tochter eine neue Existenz in einem rosa Haus auf dem Hof aus und beginnt, das Land wieder zu bewirtschaften. Nur die alten Freundschaften zu Russin Olga und zu „Krummer Finger“, einem intellektuellen Eigenbrötler, lässt sie wieder aufleben.

Der grossgewachsene, zurückgebliebene Lippen Willem und die geistig behinderte Desireé finden Zuflucht und ein Auskommen auf Antonias Hof und bald auch zueinander. Antonia selbst wendet sich Sebastien zu, einem verwitweten, von allen gemiedenen Bauern mit fünf Söhnen. Und Danielle, erwachsen geworden und künstlerischen Begabungen nachgehend, möchte Mutter werden, ohne mit einem Mann zusammen zu sein und sucht sich gezielt in der Stadt einen Vater für ein Kind: sie wird schwanger mit der kleinen Thérèse. Antonia nimmt die schwangere Letta mit ihren zwei Kindern auf, die sich in einen aus der Kirche ausgetretenen Kaplan verliebt und mit ihm aus lauter Begeisterung für das Schwangersein jedes Jahr ein Kind zeugt. So füllt sich der Hof mehr und mehr, sitzen immer mehr Menschen um Antonias Tisch, bevölkern Antonias Welt mit Leben und Liebe.

Doch als sein Vater Sebastien stirbt, kommt Pitte, der älteste Sohn, und fordert seinen Anteil an dem mittlerweile äußerst einträchtigen Hof. Es kommt zum Konflikt …

„Antonias Welt“ bekam 1996 zu Recht den Oscar als bester ausländischer Film. Er erzählt die Geschichte einer starken, selbständigen Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt mit Worten und Taten durchzusetzen versteht, für die Gerechtigkeit und Solidarität einzutreten bereit ist und dabei nicht und niemanden zu fürchten scheint.

Ein kraftvoller Film über eine (Wahl)familie, bevölkert mit starken, zum Teil exzentrischen, skurrilen Figuren, der zwar von starken Frauen und der Kritik an männlichem Machogehabe dominiert wird, dabei aber nie in Klischees verfällt. Eine melancholischer, dramatischer Film und zugleich eine Komödie – unbedingt sehenswert, immer wieder.