Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war : Roman / Joachim Meyerhoff

Es kommt mir mehr und mehr so vor, als wäre die Vergangenheit ein noch viel ungesicherterer, weniger verbürgter Ort als die Zukunft. Das, was hinter mir liegt, soll das Gesicherte sein, das Abgeschlossene, das Gewesene, das nur darauf wartet, erzählt zu werden, und das vor mir soll die sogenannte zu gestaltende Zukunft sein?

Was, wenn ich auch meine Vergangenheit gestalten muss? Was, wenn Weiterlesen

Das Licht der letzten Tage : Roman / Emily St. John Mandel

Die Hölle ist die Abwesenheit von Menschen, nach denen man sich sehnt. (S. 177)

Erst wollen wir nur gesehen werden, aber sobald wir gesehen werden, reicht uns das nicht mehr. Danach wollen wir, dass man sich an uns erinnert. (S. 227)

Ein Abend im Theater in Toronto: Arthur Leander, ein berühmter Schauspieler bricht mit Herzinfarkt auf der Bühne zusammen, ein Zuschauer versucht, ihn zu reanimieren. Ein etwa 10jähriges Mädchen, das bei der Aufführung mitspielte, steht verstört am Rand. Innerhalb weniger Wochen nach diesem Ereignis rafft eine Grippe-Pandemie fast die gesamte Menschheit dahin und es geschieht, was niemand vorher zu ahnen wagte: die gesamte Zivilisation mit all ihren technischen und gesellschaftlichen Errungenschaften bricht zusammen und die Menschheit fällt zurück in ein vortechnisches Zeitalter. Jene, die damals jung waren oder nach dem Ausbruch der Krankheit geboren wurden, können sich kaum vorstellen, dass es einmal Internet gab, Mobiltelefone, Fernsehen und Flugzeuge.

Jetzt, fast zwanzig Jahre nach der Pandemie, schlägt sich eine Truppe von Schauspielern und Künstlern Weiterlesen

Djian, Philippe: Ich arbeitete für einen Mörder

Patrick ist Angestellter im Chemiewerk seines Freundes Marc. Rastlos ist er nach einem Chemieunfall unterwegs, beschwichtigt Anwohner und hilft Mark trotz dessen erwiesener Schuld bei illegalen Aktionen zur Vertuschung des Unfalls. Patrick gerät dadurch aus dem Gleichgewicht und verstrickt sich im Namen der Freundschaft tief in Schuld und Gefahr. Doch Marc braucht auch privat voll die Kraft seines Freundes, da seine Frau Weiterlesen

In der Finsternis : Thriller / Sandrone Dazieri. Aus dem Italienischen von Claudia Franz

Aus dem Italienischen von Claudia Franz. Piper, München 2015, 560 Seiten, 19,99 €.

»Die Welt ist eine gewölbte Wand aus grauem Beton«

Spannungsliteratur aus Italien hat sich längst auf dem deutschsprachigen Markt etabliert, auch jenseits des sizilianischen Schriftstellers Andrea Camilleri, der nunmehr seit fast vierzig Jahren aktiv ist und von dem jedes Jahr gleich mehrere Bücher bei uns erscheinen. Massimo Carlotto, Gianrico Carofiglio, Roberto Costantini, Giancarlo de Cataldo, Giorgio Faletti, Carlo Lucarelli, Marco Malvaldi – vom beschaulichen Regiokrimi, dessen Cover Zypressenhaine zieren, über den Mafia-Roman bis hin zum blutigen Thriller ist alles dabei (einen Überblick gibt es bei Thomas Wörtches kaliber.38 und auf der Krimi-Couch). Sandrone Dazieri ist bislang vor allem mit einer Noir-Reihe in Erscheinung getreten (deren ersten beiden Teile auf Deutsch bei Grafit erschienen, inzwischen aber nicht mehr lieferbar sind). Nun sorgt er mit dem Thriller In der Finsternis für Furore – hoffentlich auch hierzulande.

Dazieri, 1964 in Cremona geboren, hat vieles in seinem Leben gemacht: Er ist gelernter Koch, gehörte der Hausbesetzerszene an, schrieb Kinderbücher, arbeitete als Journalist und als Lektor, Letzteres bei Mondadori, dem größten Verlagshaus Italiens, für das er auch heute noch als Berater tätig ist. Und er ist Drehbuchautor – eine Erfahrung, die sich unverkennbar auf sein Schreiben niederschlägt. Gekonnt spielt er in seinem neuesten Roman mit der Synchronizität von Ereignissen, die zeitlupenhafte Schilderung einer Explosion ist emblematisch hierfür: Wenige Sekunden werden auf zehn Seiten ausgedehnt, der Blick des Erzählers kommt einer Kamerafahrt gleich. Solche narrativen Extravaganzen sind rar, dafür aber umso wirkungsvoller. Und auch die auktoriale Perspektive, dank der man immer gleichzeitig in mehrere Figuren blickt, verleiht dem Thriller etwas Unmittelbares, Rasantes, eben Filmisches.

Aber kommen wir zur Story. Es ist Anfang September in Rom, Familien fahren raus in die Natur, um zu picknicken. Für eine von ihnen kehrt sich das Idyll jedoch in sein Gegenteil um: Ein verwirrter Mann wird auf der Straße aufgegriffen, kurz darauf wird seine Frau enthauptet im Wald gefunden, vom sechsjährigen Sohn Luca fehlt jede Spur. Für den Staatsanwalt steht bald Weiterlesen

Garp und wie er die Welt sah / Regie: George R. Hill. Darst.: Robin Williams ; Glenn Close ; Mary Beth Hurt …

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Der Film schildert die Lebensgeschichte des Schriftstellers T. S. Garp (Robin Williams). Seine Mutter Jenny Fields (Glenn Close) wollte zwar ein Kind, aber keinen Mann und besorgt sich während des Zweiten Weltkrieges den Samen von einem kurze Zeit später sterbenden Soldaten namens Technical Sergeant Garp, von dem sie sich in einem letzten, Beischlaf schwängern lässt. Als sie schwanger wird, gibt sie ihrem Sohn den namen T. S. Garp.

Garp wächst in dem Internat auf, in dem seine Mutter als Krankenschwester arbeitet. Als Teenager ist aus ihm ein guter Läufer und Ringer geworden – doch er entschliesst sich, Weiterlesen

Stevenson, Robert Louis: Die Schatzinsel – Treasure Island

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Englische Provinz Nähe Bristol, 18. Jahrhundert. Im Gasthof „Admiral Benbow“ der Familie Hawkins quartiert sich ein geheimnisvoller, trinkfreudiger alter Seemann namens Bill Bones mit seiner Seemannskiste ein. Offenbar hat Bill Bones Angst vor einem Einbeinigen, den er bietet dem jungen Gastwirtssohn Jim Hawkins Geld, wenn er ihn sichten sollte. Plötzlich treiben sich merkwürdige Weiterlesen